eynes kam am 5. Juni 1883 im Cambridge zur Welt, wo sein Vater Dozent
an der Universität und später Registrator war. Von seiner Mutter,
der später Burgermeisterin von Cambridge, erbte er das Interesse
an sozialen Tageproblemen. Durch seinen Vater und seinen Bekanntenkreis
bekam er Interesse für Philosophie und politische Ökonomie.
Maynard Keynes ging nach Eton, wo er Interesse für Mathematik
zeigte, und später gewann er ein Stipendium für King's College Cambridge.
Sein ganzes Leben lang überwogen seine Interessen immer die für
sein direktes Studium oder seine Arbeit. Sein besonderes Interesse
galt dem Grenzgebiet zwischen Mathematik und Philosophie, und sein
Dissertation schrieb er zur Theorie von Wahrscheinlichkeit (Probability),
aber danach widmete er sich intensiver der Volkswirtschaftslehre.
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Colin de la Motte-Sherman
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Während seines Studiums, traf der freundliche, wahrheitsuchende,
streitlustige, Keynes, u.a. mit Lytton Strachey, Leonard Woolf,
Adrian und Thoby Bell zusammen, alle zu den "Apostles"
(einer "geheimen Gesellschaft") angehörend, dem späteren
Kern der "Bloomsbury-Gruppe".
Nach dem Tod ihres Vaters (1904) mieteten die Stephen Kinder,
Virginia, Thoby und Vanessa ein Haus am Gordon SquareNr. 46 , im
Bloomsbury Viertel, London. Im Februar 1905 gab Thoby diese Adresse
als sein offizielles Zuhause bekannt, wo ihn seine Freunde jeden
Donnerstag Abend besuchen könnte, und damit begann die "Bloomsbury
Gruppe" ihre öffentliche Wirksamkeit.
Die Mitglieder der "Bloomsbury Gruppe" teilten oder
entwickelten ähnliche kunstlerische-und, Lebensverhalten. Zum Kreis
gehörten Clive Bell einer der führender Kritiker, Keynes selbst,
Leonard Wollf, jetzt unfairereweise immer nur als Mann von Virginia
bekannt, - die auch dazu gehörte, Lytton Strachey - später beruhmt
für seine Biographien, und Duncan Grant. Verbunden mit der Gruppe
waren auch Bertrand Russell, der grosse Philosoph und späterer Friedenskämpfer,
und der Schriftssteller E. M. Forster . Strachey, Forster, Grant,
und Keynes waren alles Männer, die liebten Männer.
Die diskutierten nicht nur über Gott und die Welt, sondern lasen
Stücke zusammen - von Shakespeare bis Ibsen. In der "Bloomsbury
Gruppe" entwickelte sich eine Offenheit über Sexualität, die
Virginia ein paar Jahre zuvor noch schockiert hätte. Keynes, der
aus Indien zurück und in Cambridge tätig war, schrieb an Duncan
Grant (1908):
" Lytton (Strachey) ... hat Vanessa (Schwester von Virginia)
seine besonders unanständigen Gedichte gezeigt. Sie war entzückt,
lernte sie auswendig, und fertiogte Kopien für Virginia und die
anderen her. "
Lytton, als der "Super-sodomite von Bloomsbury" bekannt,
riß eines Tages mal die Zimmertür auf, bemerkte einen Weißen Fleck
auf Vanessas Rock und fragte bloß, "Sperma?" Allgemeine
Gelächte. Leonard Woolf bemerkt dazu wie gehemmt sie alle vorher
waren: "Mit diesem einen Wort fielen alle Schranken und Zuruckhaltung.
... Sex durchdrang alle unsere Gespräche. Das Wort 'Sodomite' ("Bugger"
- in seiner richtigen Bedeutung, kein Schimpfwort. CMS) war oft
auf unseren Lippen. ... Man wundert sich, wie lange wir so zurückhaltend
waren."
Duncan Grant (später ein bekannter
britischer Maler) wird als der charakteristsiche "Bloomsbury
Maler" betrachtet, trotz seines späten "Eintritts"
in die Gruppe. Keynes sexuelles Verhältnis mit Grant dauerte nur
etwa 4 Jahre, aber ihre enge Freundschaft hielt bis zu Keynes' Tod
im Jahre 1946. In 1909 teilte Keynes eine Wohnung am Fitzroy Square
Nr. 21 mit Duncan Grant. Grant war die emotionale Schlußstein der
Bloomsbury Gruppe. Er war charmant, sympathisch, und nett. Keynes
schrieb über Duncan: "In Duncan könnte sich jeder verlieben."
Im Februar 1910 besuchte der Kaiser von Äthiopien das neueste
und großte Schiff der Königlichen Flotte, man zeigte ihm alle Geheimnisse
des Schiffes. Der Kaiser von Äthiopien war aber in Wirklichkeit
Anthony Buxton ein Freund des Bloomsbury Gruppe; Adrian Bell, der
Dolmetscher, sprach ein Gemisch von Latein und Unsinn, Virginia
(noch nicht Woolf), und Duncan Grant mimten mit geschwärzten Gesichtern
die Gefolgschaft. Als der Jux bekannt wurde, lachte die ganze Nation,
und um die Ehre des Schiffsoffiziere (unter ihnen ein Cousin der
Stephens) zu retten, haben sie Grant gekidnappt und eine Jux-Strafe
auferlegt.
Ein Jahr nach dem "Dreadnought" Spektakel lief der Vertrag
für das Haus am Fitzroy Square aus, und Virginia Stephen übernahm
ein vierstöckiges Haus am Brunswick Square Nr. 38 und teilte es
unter ihre Freunde auf. Maynard Keynes und Duncan Grant nahmen das
Erdgeschoß in Besitz. Virginia den 3. Stock, und ihre zukunftiger
Mann Leonard Woolf einige Zimmer im 4. Stock.
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Colin de la Motte-Sherman
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Keynes übernahm im Jahre 1912 auch den Chefredakteurposten des
Economic Journal den er bis kurz vor seinem Tod innehatte.
Durch diese Position bei der Zeitschrift hatte er einen große Einfluß
auf jungere Ökonomen.
Seine Fähigkeiten und die Arbeit als Sekretär der Königlichen Ökonomischen
Gesellschaft, und als Mitglied einer Königlichen Kommission zur
Untersuchung von Indischen Finanzen und Geld erlangte er Ansehen
bei verschiedenen hohen Beamten und Politikern; im Januar 1915 wurde
er gebeten, in die Königlichen Schatzabteilung zu arbeiten.
Fast alle Männer der Bloomsbury Gruppe waren pazifistisch orientiert,
obwohl es nicht alle ablehnte in der Armee zu dienen. Duncan Grant
wurde freigestellt, mußte aber ii der Landwirtschaft arbeiten, und
zwar auf einer Farm in Sussex, deren Nachbarfarm Vanessa Bell gemietet
hatte.
Ab 1916 mietete Keynes das Haus am Gordon Square Nr. 456; dort
traf sich eine "erweiterte Bloomsbury Gruppe" häufig zu
gemütlichen Runden. Unter ihnen war Lydia Lopokova, Prima Dona bei
der Diaghilev Tanz Company.
Während des 1. Weltkrieges half er, - auf Vorschlag von Duncan
Grant, der französischen Regierung bei Liquiditätsproblemen durch
deb Ankauf von Gemälden Degas' für die Britische Nationalgalerie.
1919 war Versailles Tagungsort der Friedenskonferenz, an der Keynes
teilnahm, und manchmal den Schatzkanzler Obersten Wirtschaftsrat
vertrat, er war aber nicht in der Lage, direkten Einfluß auf die
Reparationskommission zu nehmen. Er geriet immer mehr in offenen
Konflikt mit den Vorgeschläge der Kommission in puncto Grenzen und
Reparationen. Er war von der Ungerechtigkeit der Vorschläge überzeugt
und daß sie den wirtschaftlichen Wiederaufbau gefährden würden.
Er trat zurück, und mit der Unterstützung von Jan C. Smuts (damals
Premier von Südafrika) veröffentlichte er eine Broschüre mit dem
Titel "Die ökonomischen Konsequenzen des Friedens." (1919).
Die Schrift verursachte scharfe Kontroversen in den USA und Europa
wegen der darin geäußerten scharfen Kritik am Friedensvertrag. Auch
nach 27 Jahren - 1946 - behauptet man wiederum, daß seine Kritik
an den Friedensstiftern die Quelle (!) für das Desasters
der später überrollte Europa gewesen sei, aber die Ablehnung der
Friedensverträge durch die USA stand schon vorher fest. Keynes war
jedoch ab sofort das Zentrum der Kontroverse über den wirtschaftlichen
Wiederaufbau.
Nach dem Krieg gründete der Freundeskreis - u.a. die Woolfs, Maynard
Keynes, Strachey, Duncan Grant, Morgan Forster, Clive und Vanessa
Bell - einen "neuen" Club - das Memoiren Club. dessen
einzige Regel es sein sollte, daß die Mitglieder sagen könnten,
was sie wollten.
Keynes war - wie so viele in seinem Kreis - ein grßer Verehrer
des Balletts. Virginia Woolf besuchte Keynes, um Lopokova als mögliche
Braut einzuschätzen. "Da Maynard ein einfache Mensch ist, "
schrieb sie, "würde er hoffnungslos untergehen ehe er wach
wird. Und wenn er aufwachte, würde er 3 Kinder und sein ganzes Leben
unter Kontrolle vorfinden." Obwohl Lopokova bezauberte die
Gäste bei Maynards Dreikönigsnacht Party (1923), fällte Virginia
das harte Urteil, "Sie hat nicht einmal zwei vernünftig begründete
Idee im Kopf.".
Keynes, durch sein schriftstellerische und ökonomische Gewandtheit
nicht gerade arm geworden, war inzwischen Hauptaktienbesitzer der
Zeitschrift, The Nation, und bot Leonard Woolf die
Stelle des "Literartur Chefredakteurs" annahm die dieser
annimmt. Trotz vieler Arbeit im Zusammenhang mit seinem eigenen
Verlag Hogarth Press, bleibt Leonard Woolf bis 1930
bei der Nation .
Eine Veröffentlichung, die dem Hogarth Press Verlag viel Arbeit
brachte, war "Die ökonomischen Konsequenzen von Mr. Churchill"
wo Keynes die wahrscheinlich mit der Rückkehr zum Goldstandard entstehenden
Probleme behandelte . Keynes stand im Zentrum einer heftigen Auseinandersetzung
über die Wiedereinführung des Goldstandards (für Währungen); er
war strikt dagegen.
In September 1923 weilten Leonard und Virginia Woolf und Lydia
Lopokova zusammen in Lulworth (Süd Küste von England) auf dem Landsitz
von Maynard Keynes . Keynes heiratete Lopokova in August 1925.
Keynes war davon überzeugt daß der Massenarbeitslosigkeit eine
Ende gesetzt werden könnte, wenn nur der Wille dazu vorhanden wäre,
und er unterstützte den Liberal Lloyd George in der Wahl von 1929.
(Die britische Liberale Partei hatte im ersten Drittel dieses Jahrhunderts
starke sozialdemokratische Tendenzen). Er schlug die Stabilisierung
von Preisen, internationale finanzielle Zusammenarbeit vor. Des
weiteren sollte die Regierung gesteuerte Investitionen machen. Heute
erscheint das als nichts Ungewöhnliches, aber damals stieß "public
works investment" auf heftige Widerstand.
Das "typische" Verhalten von Keynes zeigte sich, als
er "Finanzchef" seines alten College im Cambridge (Kings)
wurde. Er investierte Geld, machte das College reicher und bestand
dann darauf, daß das großerer Einkommen für "gute Zwecke"
ausgegeben werden soll . In Cambridge war Keynes die treibende Kraft
hinter einem Projekt zur Finanzierung von Kunst, und das Cambridge
Arts Theatre ließ er fast völlig aus seinen eigenen Mitteln erbauen.(1935)
"Im Jahre 1936 wurde Keynes' "Allgemeine Theorie der
Beschäftigung, Zinsen, und Geld" veröffentlicht. Dies hattte
einen ähnlichen großen Einfluß in der Mitte des 20. Jahrhunderts
wie Adam Smith's "Wealth of Nations" im späten 18. und
frühen 19. Jahrhundert." (1)
"Das gravierende Schwäche des Kapitalismus reicht nicht aus
zum Verständnis dessen, wie das kapitalistische wirtschaftliche
System funktioniert ... bis 1930 die Fluktuationen (Andere nennen
es Krisen. CMS) die Pest der Volkswirtschaft. Lord Keynes, hat einen
immensen Beitrag zum Verständnis dieser Probleme geleistet."(2)
1937 hatte er eine ernste Herzkrankheit und mußte fast alle seine
Aktivitäten in der Finanzwelt aufgeben. Trotzdem nahm er an, als
man ihn bat 1940 nach dem Ausbruch des 2. Weltkrieges Berater der
Schatzkanzlei zu werden. 1942 wurde in den Adelsstand erhoben.
Zwei Jahre später spielte er eine führende Rolle bei der Bretton
Woods Konferenz, auf der seine Ideen teilweise verwirklicht wurden,
und zwar im "International Monetary Fund" und in der "Bank
for Reconstruction and Development" (Bank für Wideraufbau und
Entwicklung), die beide dazu dienen sollten, die "Fluktuation"
zu kontrollieren.
Im gleichen Jahr veröffentlichte die von Churchill geleitete Regierung
ein Dokument zur Vollbeschäftigungspolitik, das die von Keynes in
den 30er Jahren fast allein vertretenen Thesen zur "Staatsdoktrin"
erhob.
"Man kann sagen, daß sein Optimismus und seine Entschlossenheit
die Einstellung gegenüber der Arbeitslosigkeit verändert, und sie
von der Liste der unvermeidbaren Katastrophen, die
fatalistisch akzeptiert werden müssen, gestrichen hat und sie ins
Reich der Dinge gerückt hat, die vom menschlichen Denken kontrolliert
können. ." (3)
Na ja, Mann kann nicht immer recht haben.
Colin de la Motte-Sherman
Mai 1993
Zitate
(1 & 2)
"An Economic and Social History of Britain since 1700"
William L. Flynn, MacMillan, 1963.
(3) British National Bibliography
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