s war nicht zu übersehen, daß vieles auf der Leipziger
Buchmesse so eng mit der deutsche "notwendigen Geschichtsbewältigung"
verbunden ist, daß ihr dies und der Schwerpunkt auf Ost-Europa
(Länderschwerpunkt war diesmal Rumänien) einen, wenn nicht
gerade provinziellen Geschmack, so doch ein nicht sehr weltoffener
Feeling vermittelte. Neben den Franzosen, die reichlich vertreten
waren, teilten sich die britischen Verlage einen Gemeinschaftsstand
mit einem US-Verlagshaus. Ihre Interesse ist damit klar!
Manche der Besprechungen oder Lesungen (Stephen Wolles polemisches
Buch über den DDR Alltag - Die Heile Welt der Diktatur), waren
zuerst interessant. Nicht desto trotz, wird er dadurch das letzte
Gramm Selbstbewußtsein von Ex-DDR-Bürger beseitigen.
Carmen Frances Biancus' Lesung zu Vaterflucht (mitgetragen von
Amnesty International, Leipzig) zeigt den Konflikt zwischen einer
Tochter und ihrem Vater, der einen Anhänger Rumäniens
"alten Regime" ist. Vor der Lesung sprach ein Vertreter
der Amnesty Gruppe über die Menschenrechtslage in Rumänien.
Er erwähnte, daß Homosexuelle noch immer unter einem
Gesetz leiden, das sexuelle Beziehungen in der Öffentlichkeit
verbietet (nur sie gemäß wiedergegeben!) - als ob es
nur darum ginge, daß Schwule und Lesben ein Rechte verlangen,
welches für Vögel und Bienen im Stadtpark naturgemäß
gilt. Es ist möglich, daß dies auch tun wollen. aber
darum geht es nicht allein, wie ich nachher versuchte klar zu machen.
Ein öffentliches Ärgernis kann schon dort entstehen, wenn
ein Nachbau sieht, wie ein Mann mit einem anderen Mann in dessen
Wohnung gehen!
Trotz eines neuen Präsidenten in Rumänien, der sogar mit
Scott Long, einem offen lebenden schwulen Menschenrechtler, spricht,
ist der Weg zu Demokratie und sozialer Gerechtigkeit sehr, sehr
lang, wie man auch in Deutschland weiß. Warum, jedoch Longs
Buch über Rumänien (Public Scandals - erschienen bei Human
Rights Watch) und Dan Jones Buch (Breaking the Silence, Amnesty
International) zur gleichen Problematik auf Weltebene nicht vorgeführt
werden, ist mir allerdings ein Rätsel.
Einiger interessanter Bücher waren dabei, aber das Gelobte
Leserland jedoch nicht in Leipzig zu finden, weder an einem der
Verlagsstände, noch einer Buchlesung, vielleicht nächstes
Mal.
Colin de la Motte-Sherman
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