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eh und je suchen Machthaber, wenn sie Schwierigkeiten haben, Sündenböcke
um ihre eigene Verantwortung dafür zu decken. So war es im alten
Ägypten, in Rom waren die Christen an der Reihe. Wer nicht zu den
staatlich anerkannten Göttern betet - ob nun zu Jupiter oder dem
Römische Kaiser-Gott – der ist natürlich ein Staatsfeind. Heute
ist es nicht viel anders. Auch in Afrika. Dort wird in letzter Zeit
die Homosexuelle Minderheit im Namen der Bibel und Kaiser in Uganda,
Kenia, und Simbabwe zu Sündenböcken gemacht oder zumindest als Ablenkungsmanöver
angegriffen. Teilweise klingen die Aussagen der Präsidenten dieser
Länder wie ein halb-kaputte Aufnahme eines sich wiederholenden gleichen
Wortlauts. Warum wird darauf gehauen?
Uganda
– Im Herbst 1999 hat Präsident Yoweri Museveni befohlen, Homosexuelle
festzunehmen. “Ich habe der Polizei gesagt, dass sie die Homosexuellen
aufspüren, einsperren und anklagen sollen. ... Die Bibel macht es
deutlich, dass Gott Adam und Eva als Weib und Mann schuf, nicht
darum dass Männer Männer heiraten.“[1],
sagte Museveni laut presse Berichten.
Paragraph 140 des Uganda Strafgesetzbuches legt fest: "Jede
Person, die fleischlichen Kontakt mit einer anderen Person gegen
die Ordnung der Natur hat, wird mit lebenslänglichem Gefängnis bestraft.“
[2] Das ursprüngliche vom Britischen
Empire übernommene Gesetz wurde 1990 durch die Aufstockung der Strafe
von 14 Jahren bis auf Lebenslänglich verstärkt.
Ein führender (schwuler) Geschäftsmann – der aus Angst nicht genannt
werden will - sagte Museveni wolle die Bevölkerung von anderen Problemen
ablenken. Er steht mit dieser Meinung nicht allein.
Uganda hat Probleme ? In einem Gebiet im Norden des Landes werden
Kinder von acht Jahren aufwärts von Rebellen (Widerstands Armee
des Herrn - LRA) gekidnappt „die LRA verschleppte ... hunderte
von Jungen und Mädchen, um sie zu Soldaten und zu Sex-Sklavinnen
zu machen.“[3] - im Namen Gottes. In nördlichen
Teilen des Landes lebt die Bevölkerung unter einer so grosser Angst,
dass sie sich nicht trauen zu r Bebauung auf ihre Felder zu gehen,
und sich auf diese weise sich kaum versorgen kann. Zusätzlich
zu Überfällen auf Dörfer, werden absichtlich Minen dort gelegt,
wo die Farmer aufs Felde gehen, um ihnen Furcht vor der LRA einzujagen.
„Folterungen und grausame, unmenschliche und erniedrigende Behandlungen
von Häftlingen in Polizeiwachen waren nach wie vor weit verbreitet
...Die Behörden benutzten nach wie vor schwerwiegende Anklagen,
die eine Freilassung gegen Kaution für eine gesetzliche festgelegten
Zeitraum auszuschliessen, um politische Gefangene ohne Gerichtsverfahren
in Haft zu halten.“[4]
Im Juli (1998) zogen die Behörden Hochverratsklagen gegen 110 Gefangener
die sich bereits seit 1995 in Haft befunden hatten, zurück.
In November 1999 demonstrierten in Kampala Journalisten für Pressefreiheit,
– nachdem der Chefredakteur von The Monitor, ein Foto veröffentlicht
hatte, das ein Beispiel unwürdiger Behandlung einer jungen Frau
durch Uniformierten (Armee? Polizei?) zeigt. Den Journalisten wurde
dafür der Prozess gemacht. Einige Tage vor Prozessbegin wurde der
Rechtsanwalt der angeklagten Journalisten, James Nangwale, angeschossen
und schwer verletzt[5]. Zufall?
Der Professor und der Präsident
Der bekannte Afrikanische Gelehrte Professor Ali Mazrui: „Die Sache
mit der Homosexualität .... ist vielleicht etwas für die Kirche....
aber nicht für das Staatsoberhaupt. Der Allmächtige mag Urteile darüber
verabschieden,... aber der Staat nicht,“[6] sagte Mazrui während einer wichtigen
Rede vor der International Conference on Constitutionalism in Afrika.
„Die Regierungen von Yoweri Museveni in Uganda und Präsident Robert
Mugabe von Simbabwe greifen Homosexuelle (in Reden, C.M-S) an. Es
klingt als ob sie mehr besorgt sind über Homosexualität als Korruption,“
so der afrikanische Gelehrte. ... „Homosexuelle sollten nicht als
Sündenböcke benutzt werden. Einmischung in das private Leben von Einzelnen
ist verfassungswidrig,“ Mazrui fügte hinzu. „Wir können die Werte
der afrikanischen Familie unterstützen ohne aus Homosexuellen Sündenböcke
zu machen.“ [7]
Der Erzbischof der Anglikanischen Kirche in Uganda, Livingstone
Mpalanyi-Nkoyooyo, hat Präsident Yoweri Museveni unterstützt in
seiner Haltung gegen Homosexuellen. Er wiederholte die übliche
Aussage: "Homosexualität ist nicht nur gegen die biblische
Lehre sondern gegen Afrikanische Kultur und die Natur.“[8]
Afrikas Gays leugnen die Behauptung, das Homosexualität eine Nebenprodukte
der Kolonisierung sei. Es gibt doch afrikanische Worte die gleichgeschlechtliche
Verhalten beschreiben. Von mudoko dako [veränderte man],
der als Frau behandelt wird (im Langi Volk); über eshengi,
(„der, der von hinten genommen wird”) bei den Ovambo in
Angola; die Hausa (Nigerien) sprechen von kifi, (Lesbe) und
die Swahili reden von mashoga, (männlich) und basha
als männlichem Partner der mashoga. In Shona, die am verbreitetsten
gesprochen Afrikanisch Sprache in Simbabwe, das Wort für Homosexueller
- ngochani - existierte längst vor die Weissen ankam.[9]
Und inzwischen zeigen Beispiele aus der Tierwelt, das sogar hier
„gegen die Natur“ Humbug ist. Homosexuelle Handlungen kommen weit
öfter vor, als die heterosexuellen WissenschaftlerInnen bemerkt
haben - von Fischen. die ihr Geschlecht verändern, gar nicht zu
reden!
Später auf einem Treffen des Commonwealth Staatsoberhäupter in
„liberalen“ Kapstadt – äusserte sich Museveni etwas anders: Homosexuelle
habe es in seinem Land immer gegeben, aber sehr wenig, – die wären
frei, ihre sexuelle Orientierung zu praktizieren, solange sie sich
nicht zur Schau stellten und nicht das Gesetz verletzten. Wenn „Jeder“
der sexuelle Handlungen „gegen die Natur“ geniesst mit Lebenslänglich
bestraft werden kann, dürfte es schwer sein, das Gesetz nicht zu
verletzen.
Kenia:
Kenias Präsident, Daniel arap Moi, teilte neulich mit, das Homosexuelle
ein Plage sind. “Es ist nicht in Ordnung, dass ein Mann mit einem
anderen Mann schläft wie mit einer Frau. ... Es ist gegen afrikanische
Tradition und die biblische Lehre.” fügte er hinzu.
Vielleicht ist es in einem katholisch geprägten Land nicht ohne
Bedeutung, das Präsident arap Moi seine Behauptungen aufstellte,
kurz nachdem die katholische Kirche sein Regime scharf kritisiert
hatte. „Kenia steht vor sozialen Unruhen, da die Regierung die Probleme
von Korruption und Armut nicht akzeptiert hat. „Hunderte sterben
täglich an AIDS, das Land leidet unter Armut, Unsicherheit, Korruption,
Hunger, und die Struktur des Landes ist zusammengebrochen, Politiker
bedienen sich mit öffentlichem Land und Geld,“ [10]
sagten die Bischöfe.
Alle Formen von sexueller Erziehung sind aus den Schulen verbannt,
und im August 1998 haben der Katholische Erzbischof und der Imam
von Nairobi, die Leiter ihrer Gläubigen, in einer öffentlichen Zeremonie
Kondome verbrannt. Wer hat hier Probleme?
Simbabwe:
Als Simbabwe unabhängig wurde, unterzeichnete die politische Führung
verschiedene Abkommen zur Durchsetzung von Frauenrechten und schloss
geschlechtsspezifische Diskriminierung aus. Dieser Schritt wird
als Folge des mutigen Einsatzes von Frauen im Unabhängiggkeitskampf
gesehen.
Im Juni 1999 hat das Oberste Gericht vom Simbabwe einstimmig beschlossen,
daß "die Natur der afrikanischen Gesellschaft" es gebietet,
daß Frauen Männern nicht gleichberechtigt sind. Entsprechend kultureller
Normen, so das Gericht, sollten Frauen innerhalb der Familie nie
als wichtiger betrachtet werden einer der jüngeren Männer der Familie.“[11]
Welshman Ncube, bekanntester Verfassungsrechtler des Landes, stellte
dazu fest: es ist nichts von den Rechten übrig, die die Frauen Simbabwes
sich in den letzten 20 Jahren erkämpft haben."
Es ist Präsident Robert Mugabe von Simbabwe, der den Anführer der
Staatsmänner in die Kampagne gegen Homosexuelle in Ost Afrika seit
1995 gespielt hat. Seit dem ist er für die Aussage das es kommt
nicht in Frage, dass wir diese Leuten erlauben, sich schlimmer als
Hunde und Säue zu benehmen.“, bekannt geworden.
„Der Vorsitz von GALZ (Gays & Lesben von Simbabwe), Pasnghi
Nyathi, hat seinem Leben ein Ende gesetzt.“ meldete Keith Goddard,
von GALZ im Herbst 1999. „Warum ist nicht bekannt: Was wir jedoch
wissen, ist, dass, Pasnghi wie alle anderen Lesben und Schwulen
in diesem Lande gezwungen wurde, den vielen durch Homophobie verursachten
Stress und die damit verbundenen Schwierigkeiten auszuhalten. Gesellschaft
kehrt uns den Rücken zu und hält uns für Gangster
und Perverse, unsere Beziehungen werden kriminalisiert. Wir ...
sehen keine Chance zu entkommen, keine Möglichkeit für Ruhe oder
Frieden.“ Herbert Mondhlani, Nyathis Partner seit 8 Jahren, und
Sprecher für die Universität Simbabwe, dürfte nicht mal an der Beisetzung
seines Liebhabers teilnehmen. Da Partnerschaften von Lesben und
Schwulen nicht anerkannt werden, sind Partner zusätzlichem Schmerz
ausgesetzt, indem sie von der Trauerfeier ausgeschlossen und als
Ausgestossene behandelt werden - gerade wenn sie Zuneigung und Liebe
brauchen.
Die „Versteck-Dich“ Haltung wird aber nur von Leuten geäussert,
die den psychologischen Schaden, der dadurch angerichtet wird, wenn
Menschen ihr „Wahre-Ich“ verstecken müssen, nichts wissen oder wissen
wollen. Sexuelle Orientierung sei ein substantieller Teil des menschlichen
Charakters – wie oft von denjenigen gesagt wird, die (ins besonders)
Schwule überfallen. In solchen Fällen behaupten heterosexuelle Männer
oft, das sie so schockiert gewesen seien, von einem Homo angemacht
zu werden, dass sie haben den „Anmacher“ zusammengeschlagen oder
gar ermordet haben. Trotzdem wird von Alabama über Marokko bis
Uganda und Simbabwe von Schwulen und Lesben verlang, das sie sich
verstecken. Das heisst nicht, das man es als ein Menschenrecht betrachtet,
mit jemand auf der Strasse zu „verkehren“! Die Autos machen es
schon gefährlich genug. Diese „Versteck-Dich“ Haltung „übersieht“
jedoch, die Tatsache, dass sie ein Teil der Diskriminierung ist,
und wurde von bestimmte sprachlichen, ethnischen und anderen „Minderheiten“
schon verlangt, und trotzdem gab es mehrere „Holocausts“.
Die herrschende Regierungen in Ostafrika ist in einer prekären
Situation. Armut und Arbeitslosigkeit sind im Ansteigen begriffen,
und der Unmut in der Bevölkerung wächst.
Bis 1945 war es weitverbreitet die Juden verantwortlich für die
Probleme der Welt zu machen.(Verschwörungen) Seit es bekannt geworden
ist was geschah in Auschwitz und andere KZs ist es nicht mehr „koscher“
das zu tun. Aber die Homos, da ist die Jagdsaison noch nicht zu
Ende. Homosexuelle sind als Sündenböcke missbraucht, - nicht nur
in Teilen Afrikas - um die Aufmerksamkeit von den realen Problemen,
abzulenken. Es wurde aber verlangt von Schwulen und Lesben „Versteck-Dich!“
– also „Bleib im Versteck!“ Sollen Frauen sich auch zurückstecken?
Wurden sie dann als gleichberechtigt behandelt werden? Die Geschichte
lehrt uns anderes. Nur wenn Vertreterinnen der Frauen sich zusammen
getan haben und aufmüpfig wurden, haben die Männer angefangen, sie
ernst zu nehmen.
Bis 1969 in den USA und Europa hat die Homosexuelle Bewegung sich
„vergnügt“ mit gegenseitige Trost in Clubs und Tanzsäle und wissenschaftliche
Forschung. Nichts dagegen, aber seit Widerstand und Demos, sowie
in die Öffentlichkeit gehen an die Tagesordnung sind und ein verbreiteter
„coming out“ Prozess angefangen hat, ist viel mehr erreicht.
Amnesty International setzt sich für alle Menschenrechte ein und
deren Kämpfer verteidigt und nach Möglichkeiten zu unterstützen.
Pastor Niemöller hatte recht. Hunde, Säue oder Sündenböcke sind
Universell und Untrennbar!
C. de la Motte-Sherman
[1] Reuters. 28.Sept. 1999
[2] IGLHRC Statement 1. Nov. 1999
[3] Amnesty International, Jahrbuch 1999, S.550
[4] Amnesty International, Jahrbuch 1999, S.549
[5] Kenya: Sunday Nation, 14. Nov. 1999
[6] The Monitor, 10. Okt. 1999
[7]The Monitor, Kampala, 6. Oct. 1999
[8] Sunday Nation, Kenya,
[9] The Monitor, Kampala, 11. Okt. 1999
[10] Exit, South Africa. (Sept-98)
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