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Haupteingang zur Universität in Unter den Linden stehen, oder vielleicht
besser, sitzen zwei massive Herren aus Stein. Der eine hieß Wilhelm
und der andere Alexander von Humboldt. Wilhelm, der zwei Jahre ältere,
ist ein bekannter Philologe und preußischer Staatsdiener geworden.
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"An
dieser Stelle stand das Geburtshaus des grossen deutschen
Weltforschers und Mitglieds der Akademie der Wissenschaft"
- Alexander von Humboldt
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Alexander wurde am 14. 9. 1769 in der damaligen Jägerstraße 22
geboren. Um 1890 wurde das Haus abgerissen, um Platz für das imposante
Gebäude der preußischen Staatsbank zu schaffen - die später als
Sitz der Akademie der Wissenschaft der DDR benutzt wurde.
Dort hängt ein Schild, welches an den "Vater" der Pflanzengeographie
erinnert, dem Mitbegründer der Meteorologie und Weltreisenden, Alexander
von Humboldt, der mit seinem Freund Aimé Bompland, zwanzigtausend
bis dahin unbekannte Pflanzen beschrieben und gezeichnet hat.
Die erste Liebe von Alexander war die Natur; es ist ganz treffend,
was auf einem ökologischem Poster zitiert wird: "Habt Ehrfurcht
vor dem Baum. Es ist ein einziges großes Wunder, und euren Vorfahren
war er heilig. Die Feindschaft gegen den Baum ist ein Zeichen der
Minderwertigkeit eines Volkes und von niedriger Gesinnung des Einzelnen."
Mit elf als er gefragt wurde, warum er Pflanzen, Steine und Insekten
sammele, und warum er Apotheker werden wolle, antwortete er, daß
er lieber Apotheker als Hofdiener (wie so viele in seinem Familienumkreis)
wäre. "Der Wunsch, entfernte Weltteile zu besuchen und die
Produkte der Tropenwelt in ihrer Heimat zu sehen ward erst in mir
rege, als ich anfing, mich mit Botanik zu beschäftigen. Bis in mein
siebzehntes und achtzehntes Lebensjahr waren alle meinen Wünsche
auf 'meine Heimat' beschränkt."
Wie auch sein Bruder Wilhelm besuchte Alexander zuerst die Universität
in Frankfurt/oder. "Wir verließen Frankfurt an der Oder, und
ich brachte abermals ein Jahr in Berlin zu ...Ich fühlte aufs Neue
die Notwendigkeit botanischer Kenntnisse, quälte mich mit neuem
Eifer, Pflanzen nach Wildenows Flora zu bestimmen. Ich ... faßte
den Entschluß, unempfohlen Wildenow selbst aufzusuchen. Mit welchen
Folgen war dieser Besuch für mein übriges Leben! Schrieb ich ohne
diesen diese Zeilen in Königreich Neu Grenada? Ich fand in Wildenow
(1765 - 1812, hervorragender Botaniker, DAW) einen jungen Menschen,
der damals unendlich mit meinem Wesen harmoniert. Seine Natur ..
(hier im Text ist ein ausgestrichener Satz; lesbar ist: ICH GEWANN
IHN SEHR LIEB.)
Mit Georg Foster (1754 - 1794, Teilnehmer an James Cooks zweiter
Weltumseglung (1772/75) reist er nach London. "In einem jungem
Gemüte, welches achtzehn Jahre lang im väterlichem Hause mißhandelt
und in einer dürftigen Sandnatur eingezwängt worden ist, glimmt
und glüht es wunderbar auf, wenn es seiner eigenen Freiheit überlassen
auf einmal eine Welt von Dingen in sich aufnimmt." Nach weiter
Studien in Göttingen, ging Alexander nach Freiberg zur Bergakademie.
Das machte es möglich, Beamter beim Bergbau zu werden, weitere Steine
zu sammeln und zu reisen.
Zu dieser Zeit war Europa wegen der französischen Revolution in
Aufruhr, später dann wegen Napoleon, der sich später zu Kaiser krönte.
Aber nicht nur die Zeiten waren unruhig.
"Ich fühlte mich eingeengt, engebrüstig. Ein unbestimmtes
Streben nach dem Fernen und Ungewissen, alles, was meine Phantasie
stark rührt, die Gefahr des Meeres, der Wunsch, Abenteuer zu bestehen
und aus einer alltäglichen gemeinen Natur mich in eine Wunderwelt
zu versetzen, reizten mich damals an. ... Alles was auf bürgerliche
Verhältnisse Bezug hatte, wurde mir verächtlich, jede Gemächlichkeit
des häuslichen Lebens und der feineren Welt ekelte mich an."
Nach dem Tod seiner Mutter, ist der Familienbesitz (Schloß Tegel)
verkauft, und er ist ökonomisch unabhängig geworden. Ein alter Freund
von Alexander, der Revolutionär, Johann Georg Foster, schlug ihm
vor, zusammen durch Europa zu reisen. Es war damals üblich für wohlhabende
gebildete Leute eine 'Grand Tour' zu machen. Alexander wollte nach
Südamerika reisen und die "Andere Welt" dort entdecken.
Damals war dieser Kontinent von Europäern weitgehend kaum besucht,
geschweige denn erforscht. Nach großen finanziellen Problemen und
Schwierigkeiten beim Erhalten der Genehmigung für die Reise, konnte
Alexander mit seinem Freund Aimé endlich in See stechen. Schon vor
der Abreise hat er ein wissenschaftliches Profil entwickelt und
ist berühmt gewesen.
Humboldt ist ein Anhänger der französischen Enzyklopaedisten und
des Geistes des Romantizismus gewesen, aber tendierte mehr zu den
Ideen von Diderot als von Rousseau.
Das bloße Erreichen von Südamerika war für Europäer ein Abenteuer.
Einige Male während seinen Südamerikareisen hatte man Humboldts
Tod vermutet.
Der ursprüngliche Plan war großartig, kühn ... Man wollte die spanischen
Besitzungen in Sudamerika von der Mündung des Rio de la Plata bis
zum Königreich Quito und der Landenge von Panama besuchen. Die zwei
Korvetten sollten sofort über die Inselwelt des stillen Meeres nach
Neuholland (Australien) gelangen ... und über Kap der Guzten Hoffnung
zurückkehren. Michaux (André M. - französischer Naturforscher und
Reisender; 1746 - 1802) und Bompland, dem ich mich anschloß, und
der mir seitdem aufs innigste befreundet geblieben, sollten die
Reise als Naturforscher mitmachen.
"Ich hatte mich einige Monate lang daraufgefreut, an einer
so großen und ehrenvollen Unternehmung teilnehmen zu dürfen, da
brach der Krieg in Deutschland und Italien von neuem aus, so daß
die französische Regierung die Geldmittel, die sie zu der Entedeckungsreise
versprochen hatte, zurückzog und dieselbe auf unbestimmte Zeit
verschob. "
Humboldt - unerschrocken durch die Schwierigkeiten - reiste über
Marseilles nach Spanien wo er ankam Anfang Februar 1799. Nach einige
Monaten erhielt er, mit Hilfe des sächsischen Gesandten, Baron von
Forell, Erlaubnis nach den spanischen Kolonien zu reisen.
"Da die Landung in Cummana (Venezuela) den 16. Juli
1799 und die Rückkehr in der Mündung der Garonne (Frankreich)
den 3. August 1804 erfolgte, so hat meine ganze Reise in Südamerika,
der Südsee, Mexiko, den Antillen und Nordamerika fünf Jahre und
zwei Monate gedauert. " schrieb er später.
"Die Reise auf dem Rücken der Kordilleren von Bogota
bis Quito, immer auf Maultieren und von vielem Gepäck begleitet,
hatte volle vier Monate gedauert. ... Durch zufällige Umstände
begünstigt, stiegen wir an mehreren derselben (Vulkanen) bis zu
früher nicht erreichten Höhen. Auf dem Chimorazo gelangten wir
am 23. Juni 1802 bis zur Höhe von 18 096 Fuß." (5
863 m. Red.)
Diese Reise war nicht nur gefährlich für ihm und Aimé Bompland
- es war auch eine ökonomische Katastrophe - es kostete ihm sein
gesamtes Vermögen.
Bei ihrer Rückkehr wurde den beiden Freunden ein begeisteter Empfang
bereitet (durch wem ???). Die haben Details und Skizze von über
20 000 Pflanzen aufgenommen, die vorher der europäischen Wissenshchaft
unbekannt waren.
Zwischen 1789 und 1859, dem Jahr seines Todes, schrieb Alexander
von Humboldt etwa 50 000 Briefe. Von 1807 bis 1827 wohnte Alexander
in Paris, obwohl er Beamtenlohn des Königs von Preussen erhielte.
Paris was zu dieser Zeit einfach ein besser entwickeltes wissenschaftliches
Zentrum. 20 Jahre lang arbeitete er an der Kodifizierung und Veröffentlichung
in dem 30-bändigen 'Kosmos' über die Ergebnisse seiner Reisen. Die
Reisen schliessen auch Kuba und Mexiko ein. Laut einer Quelle war
er der berühmteste Mann Europas nach Napoleon Bonaparte. Einigen
Monaten nach Humboldts Tod ist er vom ersten Präsident eines freien
Mexikos zum Ehrenburger gemacht worden für seine Dienste zur Forschung
in Mexiko.
Nach 20 Jahre Nichtwahrnehmung seiner amtlichen Dienste hat er
keine Ausreden mehr die den König Friedrich Wilhelm zufrieden stellten,
und er kehrte, nach Berlin zurück zu eine wissenschaftlich nichts
taugenden preußischen Hauptstadt.
Juli 1990 meldete das Universität Paris-X-Nanterre das sie die
ersten 2. Bände Humboldts "Meisterwerk", Kosmos, wieder
veröffentlicht hat. In einem Band über Kubas politischer Geographie
greift Alexander v. Humboldt die Sklaverei an mit eine Stärke die
kaum vergleichbar ist mit einer seiner Zeitgenossen.
Alexander von Humboldt war seit eh und je betrachtet als Homosexueller.
Bompland und er sollen Liebhaber gewesen sein. Mit fast 90 Jahren
starb er und machte seinen Diener seinen einzigen rechtsmässigen
Erber.
Colin de la Motte-Sherman (1991)
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