Männertanz ist auch schön!  


Männertanz ist auch schön!
Ballettprojekte, 1993


"Projekt X" - Patrick King

Der Tänzer und Choreograph Patrick King wurde in der Karibik geboren, ging als junger Student in die SA, wo er US-Staatsbürger wurde, und übernahm eine Starrolle in dem Filmmusical "Fame". danach arbeitete er beim Tanztheater in Italien und beim Fernsehen, übersiedelte nach Schweden und wurde Mitglied des berühmten Cullberg-Ballets in Stockholm.

Nachdem er das Cullberg-Ballet verlasen hatte, trat er in verschiedenen Aufführungen auf; dabei wurde eine am Stadttheater von Uppsala mit höchstem Lob bedacht. In einem Stück von Lars Noren verkörperte King im Tanz einen von erotischen Gefühlen geplagten mittelalterlichen bi-sexuellen Komponisten, der die Gefühle eines königlichen Tyrannen zu Befriedigen gezwungen wird.

Bei der Gründung seiner neuen Tanztruppe "Projekt X" in der schwedischen Hauptstadt setzte er die Serie von Tanzaufführungen fort, die Sexualität und Gefühle zum Inhalt haben. In seiner neuesten Produktion "Exit" tanzt er, nur gekleidet in einem glitzernden silbernen Suspensorium, mit einer meterlangen, den Rücken herunterhängenden Afro-Perücke die Rolle eines manipulativen Androgyns. Ein anderer schlanker, junger schwarzer Tänzer stellt eine Primadonna dar, die versucht, einem Flutlicht zu entkommen. Ein kleiner blonder finnischer Tänzer stellt Versuche dar, durch erotische Aggression einen wunderschönen blonden Narziß einzufangen, der aber völlig in seine eigene Sexualität eingesponnen ist.

"Ich habe einige der besten jungen Tänzer Schwedens ausgewählt, keiner älter als zwanzig, womit ich vor allem junge Zuschauer ansprechen will", erzählt King ERATO. In "Exit" versuche ich, einige der ewigen Fragen von Liebe und Haß, Freiheit und Verantwortung, Individuum und Kollektiv zu stellen."

Nach der Tournee durch Schweden plant die Truppe eine Auslandstournee durch Italien.


Homoerotische "Separation" - Jack Benschop

Das Gothenberger Ballett führte "Separation" von Jack Benschop auf - getanzt von Benschop selbst und von János Misurák-, und setzte damit die Tradition fort, neue Werke von Mitgliedern seines Corps vorzustellen. Die Kritiker sehen das Ballett als einen kraftvollen männlichen Tanz mit deutlichen homoerotischen Tönen, das mit großem Einfühlungsvermögen die Liebe schildert, die die Männer füreinander fühlen, und ihren Schmerz beim Auseinandergehen. geboren auf den Niederländischen Antillen und in Europa ausgebildet, ging Benschop vor etwa 10 Jahren nach Schweden. Als einen der führenden Tänzer des Cullberg-Ballets (Stockholm), machten ihn seine dunkle Schönheit, seine makellose Technik und seine ständige gute Laune zum erklärten Liebling der Stockholmer Zuschauer.


Am Portal zum Himmel - Ulysses Dove

Eine erstaunliche Weltpremiere, die Leben, Tod und Überleben im Zeitalter von Aids schildert, schenkte der schwule amerikanische Choreograph Ulysses Dove dem Königlich Schwedischen Ballett. Doves "Tanz am Portal des Himmels - Oden auf Liebe und Verlust" wird als eines der besten und anspruchsvollsten Balletstücke der letzten Jahre auf einer Stockholmer Bühne bezeichnet. Dove sagte gegenüber Journalisten, daß sein neuer Tanz 64 in den vergangenen Jahren verstorbenen Menschen gewidmet ist, Geliebten, Freunden, Verwandten und Familienangehörigen. Er hob vor allem die Ausdauer und die Technik der schwedischen Tänzer hervor.

Die Musik des Esten Arvo Pärt reicht vom himmlischen Glockengeläut bis zum seelenerschütternden Donner. Der Raum über der Tanzfläche ist fast völlig mit schlanken, blauen, herabhängenden Zylindern ausgefüllt und läßt nur sehr wenig Platz für ein höllisches Fegefeuer für die erdgebundenen Tänzer. Alle sechs Tänzer sind in hautenges Weiß gekleidet, zusammen mit ihren hellen nordischen Zügen kommt damit vielleicht die Ironie des schwarzen amerikanischen Choreographen von der vermutlichen Vorstellung der Nordeuropäer vom Himmlichen Portal zum Ausdruck.

Die schwierigen Bewegungen der männlichen Hauptfigur werden von zwei blonden, auffallend attraktiven und hochbegabten Tänzern alternierend an verschieden Abenden getanzt. Oft tanzt der Mann allein mit einer der drei Frauen, anmutige, vergeistigte Göttinnen, welche die Männer durch ihre Seelenqual und Verwirrung führen. Die beiden männlichen Tänzer verflechten sich, mischen Kraft und Weichheit, stützen und helfen einander durch Krankheit bis ins einsame Überleben. Aus einem leichten Schlag wird eine Umarmung, die Andeutung eines Kusses oder der Hinweis auf eine Vereinigung, da jeder der Liebenden seinem Partner bei seiner Reise durchs Leben voranhilft. Alle sechs Tänzer im Zauberkreis, sich immer wieder durch isolierte Lichtspots verwandelnd, verbunden in der Harmonie der Bewegungen; sie nicken einander leicht zu, wenn der Vorhang fällt, ein sublimes Zeichen für die Öffnung des himmlichen Tores.

Bill Schiller

 
 
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© 2001 Bill Schiller