"Projekt X" - Patrick King
Der Tänzer und Choreograph Patrick King wurde in der Karibik
geboren, ging als junger Student in die SA, wo er US-Staatsbürger
wurde, und übernahm eine Starrolle in dem Filmmusical "Fame".
danach arbeitete er beim Tanztheater in Italien und beim Fernsehen,
übersiedelte nach Schweden und wurde Mitglied des berühmten
Cullberg-Ballets in Stockholm.
Nachdem er das Cullberg-Ballet verlasen hatte, trat er in verschiedenen
Aufführungen auf; dabei wurde eine am Stadttheater von Uppsala
mit höchstem Lob bedacht. In einem Stück von Lars Noren
verkörperte King im Tanz einen von erotischen Gefühlen
geplagten mittelalterlichen bi-sexuellen Komponisten, der die Gefühle
eines königlichen Tyrannen zu Befriedigen gezwungen wird.
Bei der Gründung seiner neuen Tanztruppe "Projekt X"
in der schwedischen Hauptstadt setzte er die Serie von Tanzaufführungen
fort, die Sexualität und Gefühle zum Inhalt haben. In
seiner neuesten Produktion "Exit" tanzt er, nur gekleidet
in einem glitzernden silbernen Suspensorium, mit einer meterlangen,
den Rücken herunterhängenden Afro-Perücke die Rolle
eines manipulativen Androgyns. Ein anderer schlanker, junger schwarzer
Tänzer stellt eine Primadonna dar, die versucht, einem Flutlicht
zu entkommen. Ein kleiner blonder finnischer Tänzer stellt
Versuche dar, durch erotische Aggression einen wunderschönen
blonden Narziß einzufangen, der aber völlig in seine
eigene Sexualität eingesponnen ist.
"Ich habe einige der besten jungen Tänzer Schwedens ausgewählt,
keiner älter als zwanzig, womit ich vor allem junge Zuschauer
ansprechen will", erzählt King ERATO. In "Exit"
versuche ich, einige der ewigen Fragen von Liebe und Haß,
Freiheit und Verantwortung, Individuum und Kollektiv zu stellen."
Nach der Tournee durch Schweden plant die Truppe eine Auslandstournee
durch Italien.
Homoerotische "Separation" - Jack Benschop
Das Gothenberger Ballett führte "Separation" von
Jack Benschop auf - getanzt von Benschop selbst und von János
Misurák-, und setzte damit die Tradition fort, neue Werke
von Mitgliedern seines Corps vorzustellen. Die Kritiker sehen das
Ballett als einen kraftvollen männlichen Tanz mit deutlichen
homoerotischen Tönen, das mit großem Einfühlungsvermögen
die Liebe schildert, die die Männer füreinander fühlen,
und ihren Schmerz beim Auseinandergehen. geboren auf den Niederländischen
Antillen und in Europa ausgebildet, ging Benschop vor etwa 10 Jahren
nach Schweden. Als einen der führenden Tänzer des Cullberg-Ballets
(Stockholm), machten ihn seine dunkle Schönheit, seine makellose
Technik und seine ständige gute Laune zum erklärten Liebling
der Stockholmer Zuschauer.
Am Portal zum Himmel - Ulysses Dove
Eine erstaunliche Weltpremiere, die Leben, Tod und Überleben
im Zeitalter von Aids schildert, schenkte der schwule amerikanische
Choreograph Ulysses Dove dem Königlich Schwedischen Ballett.
Doves "Tanz am Portal des Himmels - Oden auf Liebe und Verlust"
wird als eines der besten und anspruchsvollsten Balletstücke
der letzten Jahre auf einer Stockholmer Bühne bezeichnet. Dove
sagte gegenüber Journalisten, daß sein neuer Tanz 64
in den vergangenen Jahren verstorbenen Menschen gewidmet ist, Geliebten,
Freunden, Verwandten und Familienangehörigen. Er hob vor allem
die Ausdauer und die Technik der schwedischen Tänzer hervor.
Die Musik des Esten Arvo Pärt reicht vom himmlischen Glockengeläut
bis zum seelenerschütternden Donner. Der Raum über der
Tanzfläche ist fast völlig mit schlanken, blauen, herabhängenden
Zylindern ausgefüllt und läßt nur sehr wenig Platz
für ein höllisches Fegefeuer für die erdgebundenen
Tänzer. Alle sechs Tänzer sind in hautenges Weiß
gekleidet, zusammen mit ihren hellen nordischen Zügen kommt
damit vielleicht die Ironie des schwarzen amerikanischen Choreographen
von der vermutlichen Vorstellung der Nordeuropäer vom Himmlichen
Portal zum Ausdruck.
Die schwierigen Bewegungen der männlichen Hauptfigur werden
von zwei blonden, auffallend attraktiven und hochbegabten Tänzern
alternierend an verschieden Abenden getanzt. Oft tanzt der Mann
allein mit einer der drei Frauen, anmutige, vergeistigte Göttinnen,
welche die Männer durch ihre Seelenqual und Verwirrung führen.
Die beiden männlichen Tänzer verflechten sich, mischen
Kraft und Weichheit, stützen und helfen einander durch Krankheit
bis ins einsame Überleben. Aus einem leichten Schlag wird eine
Umarmung, die Andeutung eines Kusses oder der Hinweis auf eine Vereinigung,
da jeder der Liebenden seinem Partner bei seiner Reise durchs Leben
voranhilft. Alle sechs Tänzer im Zauberkreis, sich immer wieder
durch isolierte Lichtspots verwandelnd, verbunden in der Harmonie
der Bewegungen; sie nicken einander leicht zu, wenn der Vorhang
fällt, ein sublimes Zeichen für die Öffnung des himmlichen
Tores.
Bill Schiller
|
 |