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Pas
de Trois
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uncan
Grant gehört zu den wenigen schwulen Helden der ersten Hälfte dieses
Jahrhunderts. Er wuchs im Viktorianischen Zeitalter auf. Er wurde
1885 in Schottland geboren, in einer Umwelt, die darauf aus war,
Schwule zu terrorisieren. Trotzdem ist er schwul, stolz darauf,
und "out" gewesen. Zugegeben, er hatte sehr feine Manieren
und hat nicht die Pferde verschreckt,[1]
was eine grundlegende Forderung der englischen höheren Gesellschaftsschicht
war. Duncan hatte keine psychologischen Probleme mit seiner Homosexualität
- außer seiner anfänglichen Ungeduld damit, daß er immer noch Jungfrau
war, voller Kraft und darauf brannte, endlich ein aktives sexuelles
Leben zu beginnen. Er hatte davon gehört, daß man in Londons Nationalgalerie
Homosexuelle treffen könnte. Und dort hatte er auch seine ersten
Kontakt, und zwar vor dem Gemälde von Bronzinos ,,Venus und Cupido"
(Damals glaube ich, war Cupidos frecher Arsch mit rotem Stoff übermahlt,
der inzwischen beseitigt wurde.)
Von diesem Zeitpunkt an war er mutig, aber nicht waghalsig, wie
er sein offenes, unverborgenes schwules Leben führte. ,,Schäme dich
nie!" sagte er. Frühe Liebhaber waren Studenten von Cambridge,
einschließlich seines berühmten Cousins, Lytton Strachey, und des
noch berühmteren Ökonomen John Maynard Keynes.
An seinem Lebensabend reiste er zwischen seinem Londoner Studio
und seinem Landhaus in Sussex hin und her und traf junge Männer
im Zug, die ihm oft nach Hause begleiteten.
In den zwanziger Jahren war Duncan Grant möglicherweise der berühmteste
britische Maler. Er malte nicht nur auf Leinwand, er betätigte sich
auch als Künstler auf jeder Oberfläche, die ihm unter die Hände
kam. Er gestaltete Stoffe, Porzellan, Möbel, Zimmerwände, Mauern
von Kirchen und entwarf das Dekor für Bühnen und Kostüme für Theater
und Ballett. Er hatte eine gesellschaftliche und künstlerische Stellung
ähnlich wie David Hockney heute. Der Graf von Devonshire sagte mal:
"Es war sehr leicht zu verstehen, warum so viele Leute, Männer
wie Frauen, ihn liebten." Er war der Lieblingsmaler von Elizabeth,
der Königin-Mutter von England.
Sein Ruf als Künstler ist etwas abgeflaut, da es schwierig, wenn
nicht nahezu unmöglich ist, seine Arbeit zu sehen. Nach seinem Tod
hat eine Frau, die behauptete, seine Tochter zu sein, und seine
Erbin ist, die Genehmigung zur Reproduktion seiner Werke einfach
verweigert. Mit dem Resultat, daß seine Werke in Vergessenheit geraten
sind und irgendwo herumstehen, bis das Copyright ausläuft. Es gibt
auch starke Hinweise, daß jemand nach seinem Tod in sein Studio
gegangen ist und, in einer Orgie der Zerstörung, viele seiner erotischen
Werke verbrannt hat.
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Kreuz
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Duncan war verschwenderisch in seiner Großzügigkeit, ein Mensch,
der es liebte, anderen eine Freude zu bereiten, ob mit seinem Geist,
seinem Körper oder seiner Kunst, in einem Bett oder außerhalb davon.
Obwohl gänzlich schwul in seiner Orientierung, trieb er es mit Vanessa
Bell - da sie darum bat. Er löste sich bald von diesem Zwang; sie
blieben jedoch lebenslang Freunde.
Duncan verschenkte seine Bilder an Leute, die sie mochten. Er sagte
mir, daß ein berühmter Kunstkritiker ihm Bilder geklaut hat, und
auch ein reicher amerikanischer Sammler, nahm etwas rnit, aber Duncan
war es zu unangenehm zu sagen, daß er es bemerkt hatte. In einer
kuriosen Art und Weise war er geschmeichelt, daß sie die Bilder
so gern haben wollten. Und ganz gewiß schuf Duncan - wie alle echten
Künstler - Erotika für sein eigenes aphrodisiakisches Vergnügen
und das seiner Freunde dafür bekommen hätte. Er hatte jedoch einen
ausgeprägten Sinn für Humor, was besonders in seinen erotischen
Zeichnungen deutlich wird. Paul Roche, ein ehemaliger Priester,
bat Duncan um ein Bild der Kreuzigung. Er unternahm einen Versuch
– und der Effekt war ein tanzender Junge mit ausgebreiteten Armen.
Eine andere Malerei zeigt einen sinnlichen Jungen mit weit ausgebreiteten
Armen, vor einen stilisierten Kreuz schwebend, mit einem siegreichen
Ständer. In allen Erotika von Duncan herrscht ein Gefühl von Sinnlichkeit,
Einvernehmlichkeit, Freude und überschwenglicher Schwellung.
Douglas Blair Tumbaugh
[1] Ein
Ausdruck für Salonfähigkeit
Die Bilder
Drei Beispiele seiner Erotika, die der Rachefurie des Feuers entgangen
waren, waren in der großartigen Ausstellung "100 Jahre Schwul"
zu sehen (Berlin, 1997). Es sind eloquente Argumente gegen die "Gedanken-Polizei",
die die Erotika verurteilten. Es gibt keine Verherrlichung von Vergewaltigung,
keine Zufügung von Schmerzen, keine Dominanz, keine Unterwerfung,
keine brutale Machtausübung. Duncan war in der Tat unfähig, Schmerz
zu malen, selbst wenn er einen Auftrag e von ihnen waren "Borstal
boys" -junge Männer,
Kreuzabnahme:
Sogar im Rahmen der christlichen Theologie und Ikonographie der
Renaissance symbolisierte eine Erektion die Auferstehung und die
Erneuerung des Lebens.
Pas de Trois:
Hier machte Duncan guten gebrauch von Kubismus oder der Idee, gleichzeitig
verschiedene Sichten auf das gleiche Objekt zu zeigen. Unter dem
Haufen von Körpern zeigt er eine blonde Hand, die einen schwarzen
Penis masturbieren.
Steam Bath:
Diese Gemälde ist eine Hommage an Cezanne, aber anstatt uns einen
Apfel als Versuchung im Paradies anzubieten, benutzt Duncan atemberaubenden
Farben, um ein Fest von Pobacken darzustellen, die gewiß mehr einladend
sind, als je ein Ganymedarsch in der Geschichte der Kunst.
Douglas Blair Turnbaugh
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Douglas Blair Turnbaugh ist Autor von Duncan Grant and
the Bloomsbury Group, Bloomsbury Publishing (1987, ISBN
0 7475 0103 3); Private: the Erotic Art of Duncan Grant
(1989); Strip Show: Paintings by Patrick Angus, hrg
von Editions Aubrey Walter (Gay Mens Press), London 1992.
Ausserdem veröffentlichte er einen Beitrag in Ecrits sur
Nijinski (1992), und ist Mitglied der Komitee Nijinsky und
des führenden Komitee des Conseil International de la Danse
– Unesco.
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