er
Film BALLOT MEASURE 9 berichtet von den Ereignissen
im USA Bundesstaat Oregon, als die sogenannten Familienrechtsgruppen
(die Oregon Citizens Alliance = OCA), eine Burgerinitiative
auf die Wahlzettel brachte, die eine Änderung der Verfassungsklausel
zum Schutz der Lesben und Schwulen vor Diskriminierung anstrebte,
womit ein aktive Diskriminierung eingeführt worden wäre. Die Kampagne
hatte kostenlos Zeitungen mit Lügen und Blödsinn gefüllt, wie Homosexuelle
essen regelmäßig Fäkalien und Kindern können Homosexualität
eingeredet werden - und hatte damit eine Atmosphäre von Furcht und
Angst erzeugt, die von politisch begründetem Vandalismus und mit
ansteigender Gewalt gegen Lesben und Schwule bis hin zum Mord begleitet
war. Um ihr Leben zu schützen, mussten lesbische und schwule Persönlichkeiten
kugelsichere Westen tragen. Viele schliefen mit Schusswaffen unter
dem Kopfkissen. Im Jahre 1992 gab es mehr gemeldete Fälle von anti-schwule
Gewalt in Portland, Oregon, als in Chicago oder New York City.
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Demonstration
gegen Oregon's Bürgerinitiative "Ballot 9"
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Die Maßnahmen in Oregon wurde abgelehnt, aber 44 Prozent der abgegebenen
Stimmen waren dafür und die OCA bereitet für 1996 werden eine neue
antihomosexuelle Gesetzeskampagne vor.
Das ist der Hintergrund zur Ausbreitung, der religiösen Rechten
und die Rechtsextremismus unter den Politikern und in der Politik,
die im November 1994 erstmals seit 40.Jahren dann dazu führte, daß
der US-Congress, durch die Republikanische Partei kontrolliert wird.
Ein Congress in dem Jessie Helms, der berüchtigte antischwule Senator.
Chef der Auslandsangelegenheiten des Congresses ist. Der Film zeigt
die Kehrseite der gay und lesbian Euphorie von San Francisco, New
York und Stonewall. Er gibt auch Hintergrundinformation zum zu
Streit der ILGA mit der UNO, da während der gesamten Kampagne versuchte
wurde, Homosexualität mit Pädophilie gleichzusetzen.
Colin de la Motte-Sherman sprach mit Heather MacDonald, die nach
einer 15-jährige Karriére als Schauspielerin begann, als gesellschaftlich
bewußte Lesbe und Umweltaktivistin Filme über Umwelt Probleme
zu drehen, u.a. 1990 ein Film über Lesben und Schwulen in der Ukraine
Kiev Blue. Heather MacDonald beschreibt sich
als eine sehr offene Lesbe, aber nicht als lesbische
Filmermacherin. Sie beschäftigt sich oft mit Menschenrechtsproblemen
und verbrachte 1992 acht Monaten in Oregon um den Film Ballot
Measure 9 zu drehen. Der Film wurde mit dem Zuschauerpreis
beim Sundance Film Festival (USA 1995) ausgezeichnet.
Über einen Horrorfilm aus der US-Realität, Live
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Heather
MacDonald
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C.M-S.: Wie kamen Sie dazu, diesen Film
zu drehen?
H. McD.: Wir wollten einen Film über Gewalt
gegen Lesben und Schwule in den USA machen, da diese Gewalt zunimmt.
Als wir die Berichte anschauten, sahen wir, daß in Oregon aufgrund
der kommenden Wahlabstimmung, sehr viel Gewalt herrschte. Deshalb
führ Ich dorthin und begann mit dem Filmen. Ich dachte, es würde
ein Teil eines längeren Dokumentarfilmes, aber dort wurde mir
bewußt, daß ich einen Film nur über diese Geschehnisse in Oregon
machen würde
C.M-S.: Ist es in Wirklichkeit so erschreckend.
wie man es in Film sieht?
H. McD.: Ich glaube, der Film
zeigt Vieles von der Realität, aber die Wirklichkeit ist noch viel
erschreckender; als der Film. Ich bemerkte, als ich mit Schwuler
und Lesben gesprochen habe, daß sie wenn man sie vielleicht bloß
anfasste, anfingen zu weinen. Sie sind jetzt emotionale Wracks
- die meisten jedenfalls. Es gibt lesbische und schwule Aktivisten,
die weiter gemacht haben, aber sehr viele der Leute sind einfach
zerstört. Viele müssten zum Psychiater nach der Wahl,
so kaputt waren sie. Die haben Nervenzusammenbrüche bekommen. Sogar
heute, zwei Jahre danach, sind die Leute seelisch so verletzt, daß
sie zusammenbrechen, sobald die Ballot oder was damals passiert
ist, erwähnt wird.
C.M-S.: Warum also in Oregon die anti-homosexuelle
Kampagne in dieser Schärfe?
H.McD.: Es ist merkwürdig. Die Rechtsradikalen
gewinnen an Macht im ganzen Land. Warum also in Oregon? Vielleicht,
weil es in diesem Staat viele fundamentalistische Christengruppen
gibt. Natürlich wird die Gewalt nicht von dem Christen ausgeführt,
sondern von Skinheads und Neonazis.
Außerdem ist der nordwestliche Teil der Vereinigten Staaten das
Zentrum einer Neonazibewegung. In den Staaten spricht man von der
.Fünfprozentlösung, weil dort nur fünf Prozent der Bevölkerung
keine Weißen sind, deshalb soll dort das neue .arische
Heimatland sein. Viele weiße .Survivalisten [die glauben,
daß die weiße Rasse bedroht ist und man ums überleben kämpfen muß
C.M-S] sind dort hingezogen. Es gibt viele Skinheads dort,
und die üben die Gewalt aus weil die Wahlinitiative für Ballot
Measure 9 eine Atmosphäre schuf in der Lesben und Schwule
als Un-Menschen oder als entmenschlicht
angesehen sind. Ihnen wurde das Menschsein abgesprochen, in dem
man sagte, sie seien pervers, abnormal und unnatürlich. Das gab
den Skinheads und Neonazis die Lizenz, die Berichtigung,
gegen Menschen in diesem Ausmaß von Entmenschlichung loszuschlagen.
C.M-S.: Was kann man dagegen machen?
H. McD.: Der Rechtradikalismus richtet
sích nicht nur gegen Schwule und Lesben. er hat viel mehr auf seiner
Tagesordnung. Sie haben nur mit dem Homosexuellen angefangen, da
wir eine leichte Zielscheibe sind. Viele Leute haben Angst vor uns,
weil sie nicht wissen wer wir sind - sie kennen keine, Die meisten
Leute im Film haben eine Grundsatzbotschaft : sie müssen herauskommen.
Sie müssen ihr Coming out machen. Sie können ihrem Schrank
(versteckt) bleiben, sonst werden die Leute immer weiter glauben,.
daß sie niemanden kennen, der schwul oder lesbisch ist, weil sie
nicht wissen, daß ihre Nachbarn, mit denen sie seit Jahren jeden
Sonnabend Karten gespielt haben, schwul sind. Das ist wichtig.
Eine andere wichtige Seite ist, bewußt zu machen, daß Lesben und
Schwule als nur als Vorwand für das Radikalrecht benutzt wurden,
um in Schulkomitees und auf Kommunalebene Funktionen übernehmen
zu können. Das Radikalrecht kontrolliert jetzt die Republikanische
Partei in 13 der Bundesstaaten also bereits 25 Prozent und es wird
erwartet, daß noch mehr nach rechts umfallen. Deren. Zielscheibe
sind aber nicht nur die Homosexuellen, sondern die wollen eine grundlegende
Umwandlung der moralischen Auffassung der Gesellschaft.
Im Grunde wollen sie aus den USA einen theokratischen religiösen
Staat machen. Gebete in den Schulen, die Lehre von der Erschaffung
der Erde durch Gott lehren, keine Unterschiedlichkeit (Diversifizierung),
nur die amerikanische, weiße, männliche Kultur wird dann unterrichtet.
Die haben eine lange Tagesordnung. Zur Zeit wollen sie gerade staatliche
Zuschüsse für die Künste abschaffen. ... Es wird kein Geld mehr
für das öffentlichen-rechtliche Fernsehen geben, staatlich unterstützen
schulen werden abgeschafft nur private schulen soll es geben,
die nicht unter öffentlicher Kontrolle stehen.
C. M-S.: Ist es übertrieben, von schleichendem
Faschismus zu sprechen ?
H. McD.: Im Film sagt jemand, daß das eine
faschistische Bewegung ist. Wenn man EINE Kultur, EIN Volk und KEINE
Toleranz von Unterschieden als Faschismus betrachtet - denn das
sind ihre Ziele -, dann ist das nicht übertrieben.
C. M-S.: EIN Volk, das Herrenvolk!
H. McD.:
Richtig. Viele Leute haben gesagt, das die Initiative 9 nur
die Spitz des Eisberges ist. Ein High School Student sagte auch:
Wer werden die nächsten sein? Die Menschen, die zu Fett sind,
die Mormonen, die Katholiken? Leute die zu Lang sind? - Und gewöhnliche
klatschen an diese Stelle der Vorstellung die Zuschauer.
C. M-S.: Es ist schwer zu verstehen, aber
etwa seit Anfang der 80er Jahre wuchs mit der Fundamentalismus in
der arabischen Welt auch der christliche Fundamentalismus und so
weiter. Es ist wie bei den Lemmingen.
H. McD.: Ja. und in den Ländern der ehemaligen
SU, wo der Nationalismus durch Unterdruckung unter Kontrolle gehalten
war, sobald es einen bestimmten Grad von Freiheiten gibt, gibt es
diesen Rückschlag. Der Antisemitismus in der ehemaligen Sowjetunion
ist schlimm.
C. M-S.: Aber Unterdrückung kann
keine Erklärung für die Lage in die USA sein ...
H. McD.: Es ist vielleicht eine Wiederholung
der 50er Jahre. Ich halte es für ein ökonomisches Problem. Die
Leute haben Angst ihre Arbeitsstelle zu verlieren. Immer, wenn das
der Fall ist, erfolgt eine Zurückschlagen (backlash) gegen Einwanderer,
gegen Farbigen, gegen Frauen, gegen alle, die deine Arbeit
wegnehmen. Es wurde in der letzten Zeit viel über Backlash
der weißen Männer geschrieben. Die Gruppe der weißen Männer war
in den USA von den Anfang im Besitz der Macht. Sie konnte als einzige
wählen, sich besaß das Land und auch ihre Frauen - die wie waren
bewegliches Vermögen und die Sklaven.
Das hat sich alles durch die Menschenrechtsbewegung der Schwarzen
in den 60er Jahren geändert, durch die Frauenbewegung, und die Gau-Menschenrechtsbewegung.
Die, die noch im Besitz der Macht sind, haben Angst um ihre Macht,
obwohl die Gesellschaft im Grunde genommen immer noch durch weiße
Männer geführt wird. Man muß sich bloß den kongress ansehen: 95
Prozent des Senats sind Männer. Es ist die Angst vor den Machtverlust
- obwohl das eine unrealistische Angst ist.
Die Frauen werden den Männer nicht die Macht wegnehmen, die Schwulen
werden nicht die Rechte der Heterosexuellen abschaffen, die Schwarzen
nicht die Weißen. Es ist eine ökonomische begründete Angst. Dieser
Menschen wird mir meine Arbeit wegnehmen! Die Frauen
sollten nicht arbeiten gehen! Schmeiß die Einwanderer
raus! Es ist die Angst vor der Unterschiedlichkeit, vor dem
Unbekannten, vermischt mit dem ökonomischen Klima. Hatten alle in
den USA eine Arbeitsstelle, dann, glaube ich, hätten wir solche
Probleme nicht. Wir haben viele Armut in den Staaten.
C. M-S.: Licht am Ende des Tunnels ?
H. McD.: Viele meiner Freunde schauen optimistischer
in die Zukunft als ich, aber ich sehe uns schon mit einer noch konservativeren
Regierung und, daß uns ein noch großer Kampf bevorsteht. Ich denke
es gibt keinen ausreichenden Zusammenschluss zwischen den verschiedene
Bewegungen. Wenn die Bewegungen der US-Mexikaner, der Schwarzen,
der Frauen und der für schwullesbische Menschenrechte ihre Kräfte
in einer Menschenrechtsbewegung vereinigen würden, statt vereinzelt
zu kämpfen, dann wäre das eine machtvolle Koalition und das könnte
die Räder des Faschismus aufhalten.
Ich glaube aber; die Menschen erkennen das nur sehr langsam.
Colin de la Motte-Sherman
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