Zwischen Himmel und HölleH-14-94-Himmel-(2-OA)-Rez-(D) (KR)  


Zwischen Himmel und Hölle
Schwule und Lesben in der DDR

ie Gruppe, die dieses Buch zustande gebracht hat, sollten den gerade verkündeten Stonewall Preis für Forschung in homosexueller Geschichte bekommen. Es ist eine wahre Freude, das Buch zu lesen - Es ist gut recherchiert und reichlich illustriert. Vor allem setzt es den Kampf gegen § 175 ins besonders in seinen allgemein gesellschaftlichen Hintergrund - und macht daher den Prozeß verständliche.

Obwohl es sich im Untertitel "Das Leben der Kölner Homosexuellen 1945 - 1969" nennt, es kann angenommen werden, das im allgemeinen das Leben für Schwule während die "Adenauer Ära" widerspiegelt. Allein die unterschiedlichen Themen, bearbeitet von verschiedenen Autoren, machen es für Menschen leichter zu lesen, die nicht "geschichtsbesessen" sind, wie ich es bin. Warum es bis in die 70er Jahre dauerte, bevor mit dem Wiederaufbau der durch die Nazis zerschlagenen Homosexuellen Bewegungen begann, wird auch klar für die die es nicht mit erlebt haben.

Ich behaupte - oft - ohne die Vergangenheit zu verstehen, wird kein Mensch die heutigen Ereignisse verstehen. Das Buch soll auch an Heterosexuelle Verwandte verkauft oder verschenkt werden, da es buchstäblich um Verständnis durch Verstehen wirbt.

"Man sah in den Homosexuellen eine Gefahr für die patriarchalische Herrschaftsstrukturen, da sie die Säulen der Männerherrschaft ins Wanken bringen konnten ... Es gehe nämlich darum, ‚ein bestimmtes Menschenbild zu schützen, das uns das Grundgesetz vorstelle', erklärte der Vertreter des Justizministeriums. ...In der von der CDU-CSU vorgetragenen Sichtweise kamen die moralische Bewertung der Homosexualität, wie sie etwa die Kirche oder der Volkswartbund vorgetragen haben (Homosexuellen als soziale Gefahr.) ...

Seit Mitte der 60er Jahre ist ein mentalitätsgeschichtlicher Einbruch in der Gesellschaft der Bundesrepublik Deutschland immer deutlicher zu beobachten. ... Das Jahr 1965 leitete das Ende der Vorherrschaft der CDU ein." Vielleicht die Geschichte ist doch eine Spirale !

Die Titel einiger der Kapitel reichen, um die Vielfalt des Inhalts und Gründlichkeit der Arbeit zu zeigen. "Das Lokal am Abend", "Ort anonymer Lust", "Männlichkeit" und die Widerspiegelung der Schwulen in Kultur und Medien, durch "Schwule" Filme in der Kölner Presse etc. Es gibt viel mehr einschl. Zeitzeugenberichte.

Leider nutzt es nicht gleich zum Buchladen zu rennen - Es ist schon vergriffen!
Aber lass deinen Name in die Liste in der Bibliothek eintragen! Es lohnt sich, auch zu warten.

Colin de la Motte-Sherman


Die DDR und seine Homosexuellen

Das Buch von Bert Thinius deckt auf viele der Ungerechtigkeiten, anti-humanistischen Praxis und einfachen Blödsinns dahinter wie die Behörden der DDR die Homosexuellen "ihres Landes" behandelt haben. Es ist eine wissenschaftliche Arbeit, hat sehr viel Information und Interessantes, liest sich teilweise wie ein Gerichtsprotokoll, und trotz aller Achtung habe ich ein ungutes Gefühl.

Ich denke an die Tatsache, dass der "Gründer" der englischen bürgerlichen Armee, Oliver Cromwell, ein Kämpfer für bürgerliche Freiheit, der dann von seiner "Volksarmee" ersticktmwurde, nach der Rückkehr des Königs ausgegraben wurde und seine Leiche in Ketten öffentlich ausgestellt. Zwei hundert Jahre später setzte das Parliament eine Statue vor dem House of Commons als Anerkennung seines Dienstes dazu.

Soweit wie ich das einschätzen kann, die DDR hatte kein Cromwell. Aber, ich glaube es fehlt uns allen, ins besonders ex-DDR und Deutschen Schwulen und Lesben, der Abstand um eine "Homo Geschichte" der DDR zu schreiben. Eins ist klar. Ein Relativierungsprozess ist nötig. "Bis zum Ende der DDR hatten Schwule keine politische Organisation, keine Zeitung, keine entwickelte Infrastruktur schwuler Kultur." Es fehlt auch das ausgemalte Bild in mehreren Stellen.

Mehr als ein Randglossen, aber noch nicht "Geschichte".

Colin de la Motte-Sherman

 
 
Homepage: www.erato-net.de deutsch counter
© 2001 Colin de la Motte-Sherman