ie Gruppe, die dieses Buch zustande gebracht hat, sollten den gerade
verkündeten Stonewall Preis für Forschung in homosexueller
Geschichte bekommen. Es ist eine wahre Freude, das Buch zu lesen -
Es ist gut recherchiert und reichlich illustriert. Vor allem setzt
es den Kampf gegen § 175 ins besonders in seinen allgemein gesellschaftlichen
Hintergrund - und macht daher den Prozeß verständliche.
Obwohl es sich im Untertitel "Das Leben der Kölner Homosexuellen
1945 - 1969" nennt, es kann angenommen werden, das im allgemeinen
das Leben für Schwule während die "Adenauer Ära"
widerspiegelt. Allein die unterschiedlichen Themen, bearbeitet von
verschiedenen Autoren, machen es für Menschen leichter zu lesen,
die nicht "geschichtsbesessen" sind, wie ich es bin. Warum
es bis in die 70er Jahre dauerte, bevor mit dem Wiederaufbau der
durch die Nazis zerschlagenen Homosexuellen Bewegungen begann, wird
auch klar für die die es nicht mit erlebt haben.
Ich behaupte - oft - ohne die Vergangenheit zu verstehen, wird
kein Mensch die heutigen Ereignisse verstehen. Das Buch soll auch
an Heterosexuelle Verwandte verkauft oder verschenkt werden, da
es buchstäblich um Verständnis durch Verstehen wirbt.
"Man sah in den Homosexuellen eine Gefahr für die patriarchalische
Herrschaftsstrukturen, da sie die Säulen der Männerherrschaft
ins Wanken bringen konnten ... Es gehe nämlich darum, ein
bestimmtes Menschenbild zu schützen, das uns das Grundgesetz
vorstelle', erklärte der Vertreter des Justizministeriums.
...In der von der CDU-CSU vorgetragenen Sichtweise kamen die moralische
Bewertung der Homosexualität, wie sie etwa die Kirche oder
der Volkswartbund vorgetragen haben (Homosexuellen als soziale Gefahr.)
...
Seit Mitte der 60er Jahre ist ein mentalitätsgeschichtlicher
Einbruch in der Gesellschaft der Bundesrepublik Deutschland immer
deutlicher zu beobachten. ... Das Jahr 1965 leitete das Ende der
Vorherrschaft der CDU ein." Vielleicht die Geschichte ist doch
eine Spirale !
Die Titel einiger der Kapitel reichen, um die Vielfalt des Inhalts
und Gründlichkeit der Arbeit zu zeigen. "Das Lokal am
Abend", "Ort anonymer Lust", "Männlichkeit"
und die Widerspiegelung der Schwulen in Kultur und Medien, durch
"Schwule" Filme in der Kölner Presse etc. Es gibt
viel mehr einschl. Zeitzeugenberichte.
Leider nutzt es nicht gleich zum Buchladen zu rennen - Es ist schon
vergriffen!
Aber lass deinen Name in die Liste in der Bibliothek eintragen!
Es lohnt sich, auch zu warten.
Colin de la Motte-Sherman
Die DDR und seine Homosexuellen
Das Buch von Bert Thinius deckt auf viele der Ungerechtigkeiten,
anti-humanistischen Praxis und einfachen Blödsinns dahinter
wie die Behörden der DDR die Homosexuellen "ihres Landes"
behandelt haben. Es ist eine wissenschaftliche Arbeit, hat sehr
viel Information und Interessantes, liest sich teilweise wie ein
Gerichtsprotokoll, und trotz aller Achtung habe ich ein ungutes
Gefühl.
Ich denke an die Tatsache, dass der "Gründer" der
englischen bürgerlichen Armee, Oliver Cromwell, ein Kämpfer
für bürgerliche Freiheit, der dann von seiner "Volksarmee"
ersticktmwurde, nach der Rückkehr des Königs ausgegraben
wurde und seine Leiche in Ketten öffentlich ausgestellt. Zwei
hundert Jahre später setzte das Parliament eine Statue vor
dem House of Commons als Anerkennung seines Dienstes dazu.
Soweit wie ich das einschätzen kann, die DDR hatte kein Cromwell.
Aber, ich glaube es fehlt uns allen, ins besonders ex-DDR und Deutschen
Schwulen und Lesben, der Abstand um eine "Homo Geschichte"
der DDR zu schreiben. Eins ist klar. Ein Relativierungsprozess ist
nötig. "Bis zum Ende der DDR hatten Schwule keine politische
Organisation, keine Zeitung, keine entwickelte Infrastruktur schwuler
Kultur." Es fehlt auch das ausgemalte Bild in mehreren Stellen.
Mehr als ein Randglossen, aber noch nicht "Geschichte".
Colin de la Motte-Sherman
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