Lighthouse - ein Leutfeuer in der Dunkelheit  

Lighthouse - ein Leuchtfeuer in der Dunkelheit
Interview mit Ben MacKnight

Herausgegeben: Juli 1997


BM: Ich bin in der Öffentlichkeitsarbeit für London Lighthouse tätig - ein Wohn-und Sportzentrum für Menschen, die HIV-positiv oder an AIDS erkrankt sind. Hauptsächlich bin ich hier als Repräsentant unseres Teams für Öffentlichkeitsarbeit, um zu versuchen aufzunehmen, was vor sich geht, und um Verbindungen mit Leuten herzustellen, von denen ich einige vorher nie getroffen habe - selbst solche aus London-, mit dem Ziel, unsere Arbeit ebenso wie die Beziehungen zu verbessern.

C.M-S: Erzähle mir etwas über Lighthouse.

BM: Ich glaube, es war die erste Organisation dieser Art in der Welt. Sie hat sich bemüht, Menschen, die mit HIV leben oder von AIDS betroffen sind, ein breites Spektrum von Fürsorge zu bieten. Jetzt gibt es ähnliche Zentren überall in Europa.

Wir können all das medizinische Zeug verstehen oder mit einigen der Krankheiten umgehen, die Menschen während ihres Lebens mit HIV bekommen können. Was wir aber machen wollen ist, auf die seelischen Bedürfnisse zu schauen - wie ein Mensch innerlich fühlt. Also es geht darum, daß Menschen Informationen und Wissen und ein Gefühl von Sicherheit erhalten- HIV-Positive sollen mit unserer Hilfe selbst herausfinden, was sie brauchen könnten, um in der Lage zu sein, ihr Leben voll zu leben.

C.M-S: Welche praktische Hilfe könnt Ihr ihnen geben?

BM: Mehr als die auf der Hand liegenden Dinge wie Beratung, Unterstützungsgruppen - wir haben Wohnmöglichkeiten und Tagesfürsorge. Wir haben auch kreative Therapien und  Ergänzungstherapien, die allein oder in Verbindung mit konventionelleren Behandlungsmethoden wie AZT oder DDI angewandt werden können.

Da nehmen Menschen Kontakt mit uns auf, die vielleicht gerade eine positve HIV-Diagnose erfahren haben. Sie wissen nicht wirklich, was sie wollen. Möglicherweise durchleben sie eine Krise. Wir versuchen durch Gespräche, ihnen zu helfen herauszufinden, was sie wirklich wünschen. Ob sie etwas sehr Spezifisches wie Beratung oder Hilfe im Haushalt oder ob sie nur einen Ort brauchen, wo sie "mal reinschauen" können. Wir können sie auch an ein Sortiment von Ergänzungstherapien wie Homöopathie, Akupunktur, Massage usw. heranführen.Wir versuchen, ein "Versorgungspaket" zu schnüren, das aus einem oder mehreren Komponenten von Dienstleistungen besteht, die wir in den Räumen unseres Gebäudes anbieten können - oder auch Hilfe zu Hause.

C.M-S: Wie sieht das aus?

BM: Unsere Hilfe zu Hause ähnelt dem Buddying-System der Terrence-Higgins-Stiftung. Wir haben Freiwillige, die ausgebildet sind, Menschen in deren eigener Wohnung Unterstützung, auch durch ein "offenes Ohr", zu geben. Sie arbeiten in Gruppen im ganzen Londoner Raum. Im Grunde verbringen sie ein paar Stunden in der Woche - das wird vorher festgelegt - mit den Menschen, vielleicht nur, um  mit ihnen zu plaudern. Es kann praktische Hilfe sein - Hausarbeit, Einkaufen mit oder für jemanden oder auch mit ihnen auf einen "drink" ausgehen. Das Niveau der Unterstützung kann sich in dem Maße erhöhen oder verringern, wie sich ihr Zustand verschlechtert oder verbessert. Wir tun das in Abstimmung mit anderen Einrichtungen wie Terrence Higgins oder mit dem staatlich gestützten Sektor - Distriktkrankenschwestern usw.. Wir leisten keine direkte medizinische Hilfe in der Wohnung.

Tagesbetreuung ist ein Mittelding zwischen der Betreuung zu Hause und der 24-Stunden- Betreuung in unserem Wohnzentrum. Einige Menschen leiden unter neurologischen Beeinträchtigungen - durch AIDS verursachten Schwachsinn - ,was bedeutet, daß sie Zeiten der Verwirrung, des Gedächtnisverlustes usw. haben. Wir wollen ihnen einen Ort zur Verfügung stellen, wo sie tagsüber hingehen können. Wir müssen sie mit dem Auto herbringen, anders ist es ihnen nicht möglich. Während des Tages können wir Beschäftigungstherapie und andere Behandlungen anbieten; sie erhalten eine Mahlzeit, da die Ernährung sehr wichtig ist. Sie können auch Beratung in diesen Fragen erhalten, so daß sie Kraft für die Zeit bekommen, wenn sie zu Hause sind. Die Tagesbetreuung läuft von Montag bis Freitag. Sie steht nicht nur denen zur Verfügung, die unter Neuro-Schwachsinn leiden, sondern auch solchen mit psychlogischen Problemen, die nicht direkt von HIV herrühren. Sie durchleben vielleicht eine Zeit der Krise und des Bedarfs an tiefgehender persönlicher Zuwendung und Hilfe. Die können wir geben.

C.M-S: Wie steht es um die finanzielle Situation?

BM: Im letzten Finanzjahr kostete die Unterhaltung des gesamten Projekts ca. 4,3 Mio Pfund (DM 10,75 Mio). Das schließt alle Gehälter und Dienstleistungen ein. Wir sind glücklich, nicht für das Gebäude zahlen zu müssen, denn es gehört uns. In dieser Hinsicht sind wir sehr glücklich - nicht vielen geht es so.Wir müssen nun mit mit den örtlichen Behörden ebenso wie mit den Regional- und Bezirksgesundheitsbehörden verhandeln, um Mittel für die Dienste zu erhalten - sei es die Betreuung zu Hause oder seien es die "Betten-Tage" - d.h., wieviele Tage Betten von Personen belegt werden.Wir bekommen Gelder direkt von der Regierung und spezielle Zuwendungen. Nur ca. 3/4 oder 2/3 unserer Gelder kommen aus öffentlichen Quellen. So müssen wir 1 Million Pfund durch Beiträge, Wohltätigkeitsveranstaltungen und Spenden aufbringen. Wir sind dazu in der Lage, da wir solide Leistungen bringen. Es ist leichter, Mittel dafür zu bekommen, als wenn wir lediglich ein Beratungszentrum oder eine kleinere Organisation wären. Und weil wir Mittel für Betten bekommen - das ist fast kein Problem, weil es abrechenbar ist. Aus diesem Grunde haben wir uns von den pharmazeutischen Unternehmen ferngehalten, aber wir kommentieren es nicht, wenn andere das nicht tun wollen.

C.M-S: Wie würdest Du antworten, wenn Leute sagen, solch eine Einrichtung wie "Leuchtfeuer" führt zur Ghettoisiering?

BM: Wie aus Gesprächen mit Leuten hervorgeht, die versuchen, "Leuchtfeuer" in Hamburg zu etablieren, gibt es da das Problem der weiteren Ghettoisierung oder des An-den-Rand- Drückens der HIV-Positiven. Unser Prinzip ist, daß Menschen, die an chronischen Hungersyndromen, an Krebs oder an der Hodgkins-Krankheit leiden, natürlich versorgt werden müssen. Aber wie wir es gegenwärtig einschätzen, brauchen wir ein AIDS-spezifisches Projekt, weil wir diese Stigmaisierung und das An-den-Rand-Drücken von Menschen mit HIV haben. Und Menschen mit HIV kommen in der Regel aus sozialen Gruppen, die sich an den Rand gedrückt oder diskriminiert fühlen und es auch sind - Frauen, Schwarze, Sexworker,Drogenbenutzer und Schwule. Deshalb brauchen wir einen Platz, wohin diese Menschen gehen können und nicht das Gefühl haben, von Leuten, die Hilfe anbieten, unter Druck gesetzt oder beurteilt zu werden. Langfristig hoffen wir, daß dieses Projekt integriert wird und daß Menschen mit chronischen Erkrankungen - sei es HIV oder Parkinsonsche Krankheit oder was auch immer - , daß es machbar wird, organisatorische Unterstützung unter einer Schirmherrschaft zur Verfügung zu stellen. Aber im Augenblick, da es Vorurteile und Brandmarkung gibt, ist es angemessen, daß wir eine HIV-/AIDS-Organisation für Menschen mit HIV und AIDS haben.

Colin de la Motte-Sherman

 
 
Homepage: www.erato-net.de deutsch counter
© 2001 Colin de la Motte-Sherman