Genuß der Sprache  

Genuß der Sprache
Patrick Gale: Willkommen in Paradies,
Roman, das zebra bei diá,
Edition diá, Berlin 1993


ale ist ein offen schwuler Autor. Er schrieb aber, "Obwohl ich niemals einen Roman ohne eine schwule Figur schreiben wurde, denn das käme mir absurd unrealistisch vor, bin ich sehr dagegen, als ‚schwuler Romancier' eingestuft zu werden. Mein Ziel ist es, meine schwulen Figuren als integralen Teile eines breiten Spektrums sexueller Möglichkeiten zu zeigen. Sexualpolitik kann nur eines der Mittelsein, kein Selbstzweck, wenn gute Literatur dabei rauskommen soll. Ich überfalle meine Leser gern mit sexuellen Überraschungen, anstatt das Vorhersehbare, Schematische zu bestätigen."

Gale steht zunächst in der Tradition der großen englischen Schriftsteller des 19. Jahrhunderts, insofern, als seine Sprache sich durch einen eleganten Fluss und einen Genuss am Erzählen auszeichnet. Die Moral - der Gesellschaft und des Einzelnen - ist oftmals Motor der erzählten Geschichten, eben weil sie das Funktionieren der Gemeinschaft lenkt und ein praktische unerschöpfliches Konfliktpotential liefert. Man kann Jane Austen als eine der bekanntesten Vertreterinnen dieser englischen Erzähler benennen, konkretes Vorbild für Gale ist, aber Anthony Trollope (1815-1882], vor allem mit seiner Romanserie über eine kleine englische Domstadt namens Barchester mit ihren Intrigen und Skandalen, Machtspielen und Melodramen. Die Literaturwissenschaft bezeichnet Trollopes Romane als Sozialgeschichte Englands im 19. Jahrhundert, und in Kenntnis aller Romane Gales ist das gleiche von ihm zu behaupten, bezogen auf das England der Gegenwart. Gale dazu: "Meine Politik ist links, meine Religion verwirrt ... Ganz wichtig sind auch Einflusse aus einer anderen englischen Tradition, die als ,high camp" bezeichnet wird. Gale hat die ,schwulen' Autoren Ronald Firbank, Saki, und E.F. Benson genannt. Das Besondere an diesen Autoren ist ihre Freude am zentrischen, am trockenen, schwarzen Humor und Manierismus.

Ein Auszug aus Willkommen in Paradies, herausgegeben in Deutschland durch Edition dia:

"Eingerahmt von emporstrebenden Linden, erblickte Evan ein kolossales, säulengestütztes T aus silbrigem Stein, die Mittelpunk zwei filigrane Kirchtürme entsprossen. Er war angemessen von Erfurcht ergriffen. Selbst in dem weichzeichnenden Glanz der untergehende Sonne war dies ein brutaler, stolzer Bau, nach mehr verlangte als der banalen Bewunderung von Touristen."

Man spürt, wie Gale die Arbeit mit Sprache genießt. Gale wurde 1962 in Newport (Isle of Wight geboren, besuchte die Winchester School und die Oxford Universitat. Seine Werke schließen ein: The Aerodynamics of Pork, (1986 - buchstäblich Aerodynamik von Schweinefleisch!). Edition dia hat Wilkommen in Paradies neulich veröffentlicht und will 1994 Little Bits of Baby (1989 - Ein kleines Stück Baby) herausbringen. Zur Zeit arbeitet Gale an ein Opernlibretto basierend auf Jane Austens Mansfield Park und einem großen Roman - The Facts of Life.

Patrick Gale: Willkommen in Paradies, Roman, das zebra bei diá, Edition diá, Berlin 1993

C. de la Motte-Sherman (Unter Benutzung von Verlagshaus Information)

 
 
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