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ist ein offen schwuler Autor. Er schrieb aber, "Obwohl ich niemals
einen Roman ohne eine schwule Figur schreiben wurde, denn das käme
mir absurd unrealistisch vor, bin ich sehr dagegen, als ‚schwuler
Romancier' eingestuft zu werden. Mein Ziel ist es, meine schwulen
Figuren als integralen Teile eines breiten Spektrums sexueller Möglichkeiten
zu zeigen. Sexualpolitik kann nur eines der Mittelsein, kein Selbstzweck,
wenn gute Literatur dabei rauskommen soll. Ich überfalle meine Leser
gern mit sexuellen Überraschungen, anstatt das Vorhersehbare, Schematische
zu bestätigen."
Gale steht zunächst in der Tradition der großen englischen Schriftsteller
des 19. Jahrhunderts, insofern, als seine Sprache sich durch einen
eleganten Fluss und einen Genuss am Erzählen auszeichnet. Die Moral
- der Gesellschaft und des Einzelnen - ist oftmals Motor der erzählten
Geschichten, eben weil sie das Funktionieren der Gemeinschaft lenkt
und ein praktische unerschöpfliches Konfliktpotential liefert. Man
kann Jane Austen als eine der bekanntesten Vertreterinnen dieser
englischen Erzähler benennen, konkretes Vorbild für Gale ist, aber
Anthony Trollope (1815-1882], vor allem mit seiner Romanserie über
eine kleine englische Domstadt namens Barchester mit ihren Intrigen
und Skandalen, Machtspielen und Melodramen. Die Literaturwissenschaft
bezeichnet Trollopes Romane als Sozialgeschichte Englands im 19.
Jahrhundert, und in Kenntnis aller Romane Gales ist das gleiche
von ihm zu behaupten, bezogen auf das England der Gegenwart. Gale
dazu: "Meine Politik ist links, meine Religion verwirrt ... Ganz
wichtig sind auch Einflusse aus einer anderen englischen Tradition,
die als ,high camp" bezeichnet wird. Gale hat die ,schwulen' Autoren
Ronald Firbank, Saki, und E.F. Benson genannt. Das Besondere an
diesen Autoren ist ihre Freude am zentrischen, am trockenen, schwarzen
Humor und Manierismus.
Ein Auszug aus Willkommen in Paradies, herausgegeben in Deutschland
durch Edition dia:
"Eingerahmt von emporstrebenden Linden, erblickte Evan ein kolossales,
säulengestütztes T aus silbrigem Stein, die Mittelpunk zwei filigrane
Kirchtürme entsprossen. Er war angemessen von Erfurcht ergriffen.
Selbst in dem weichzeichnenden Glanz der untergehende Sonne war
dies ein brutaler, stolzer Bau, nach mehr verlangte als der banalen
Bewunderung von Touristen."
Man spürt, wie Gale die Arbeit mit Sprache genießt. Gale wurde
1962 in Newport (Isle of Wight geboren, besuchte die Winchester
School und die Oxford Universitat. Seine Werke schließen ein: The
Aerodynamics of Pork, (1986 - buchstäblich Aerodynamik von Schweinefleisch!).
Edition dia hat Wilkommen in Paradies neulich veröffentlicht und
will 1994 Little Bits of Baby (1989 - Ein kleines Stück Baby) herausbringen.
Zur Zeit arbeitet Gale an ein Opernlibretto basierend auf Jane Austens
Mansfield Park und einem großen Roman - The Facts of Life.
Patrick Gale: Willkommen in Paradies, Roman, das zebra bei diá,
Edition diá, Berlin 1993
C. de la Motte-Sherman (Unter Benutzung von Verlagshaus
Information)
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