C.M-S.: Können sie sich bitte für unsere
Leser vorstellen?
S.L.: Ich heiße Sheila Lupinski, bin aus
Kapstadt, Süd Afrika und bin hier in Stockholm um an der 12. ILGA
Konferenz teilzunehmen. Es ist sehr aufregend unter so viele Gay
Männer und Lesben zu sein die zusammenarbeiten für die eigene Rechte,
aber auch gleichzeitig für das breitere Ziel, die Welt zu einem
besseren Ort zu machen. Es gibt eine schöne Lebhaftigkeit hier.
Ich bin auch traurig wenn ich überlege wie isoliert Südafrika ist,
aber das ist vermischt mit Dankbarkeit, da ohne diese Isolation
wären die Änderungen in Südafrika nicht so schnell gekommen.
C.M-S.: Könnten
Sie uns etwas über den Kampf in S. Afrika erzählen ?
S.L.: In Zusammenhang mit dem lesbisch-schwulen
Kampf haben wir entschieden nicht auf das jetzige Regime zu zugehen.
Wir sind gewiß das in der Zukunft Südafrika sehr wahrscheinlich
auf eine Regierung die auf die ANC basiert regiert wird, und wir
haben entschlossen mit ihnen zu arbeiten. Deshalb war es uns wichtig
zu versichern, daß der ANC lesbisch und gay Rechte unterstützt.
Wir haben viel in diese Richtung gearbeitet und mit Erfolg. Es ist
z.B. sehr wahrscheinlich, daß die neue Verfassung Süd Afrikas die
Diskriminierung homosexueller Männer und Frauen auf Grund ihre sexuelle
Orientierung bestrafen wird. Wir sind sehr froh darüber, da unter
der National Partei es, natürlich, es nicht ungesetzlich ist. Wichtig
war es für uns zu verstehen, als Lesben und Gays, daß unserer Anstrengungen
ein klein Teil des Kampfes für eine freien Süd Afrika sind. Offensichtlich
hätten wir überhaupt keine Freiheit falls der Kampf nicht gewonnen
wird Deshalb sind wir so aktiv auf verschiedene Weise im politischen
Kampf ... Ich bin z.B. in der Ortsleitung der ANC in der Gegend
wo ich wohne. Ich mache mehr in diese Hinsicht als für die direkt
homosexuellen Kampf.
In beiden Bevölkerungsgruppen (schwarz & weiß) gibt es weit
verbreitete Homophobie. Ich glaube nicht, daß es in einer Bevölkerungsgruppe
mehr verbreitet ist als in den anderen. Leute lernen Vorurteile
unter viele Bedingungen.
Ich glaube der neo-faschismus steigt unter die Afrikaans-sprechenden
Bevölkerungsgruppe (Weißen). Aber auch viele nicht Afrikaans-sprechende
Weise haben sich diesen neuen faschistische Gruppen angeschlossen.
Jedoch einige Gruppe sind „puritanisch“ und lehnen englisch-sprechende
Mitglieder ab. Das ist eine andere Phobie. Aber ihr Haß ist bis
jetzt hauptsächlich nicht gegen Schwule und Lesben gerichtet. Es
ist sehr wahrscheinlich, daß wir danach an die Reihe sind – das
sind die Zustände unter der Weißen Bevölkerung.
Für die Mehrheit Schwarzen Gemeinde ist es schwierig Schwule und
Lesben aufzunehmen. Die Armut unter den Schwarzen, der Mangel an
Ausbildungsmöglichkeiten und die daraus folgenden Schwierigkeiten,
beruflich voranzukommen, führen dazu, daß fast alle Schwarzen Hilfsarbeiter
sind. Speziell wegen der ungelösten sozialen, der Wohnungs- und
Einkommensfragen und wegen des fehlenden Zugangs zur medizinischen
Betreuung oder Rentenversicherung, stellen Kinder ihren ganzen Reichtum
dar. Sie haben so vielen Kinder, damit sie sich im Alter um sie
sorgen – und oftmals vorher. Die Kinder sind die Geldverdiener und
die Ernäherer. Einige haben sich zur mittleren Schicht aufgearbeitet,
aber die schwarzen sind fast alle Teil der Arbeiterklasse.
Durch die große Wohnungsnot leben oft 8 bis 10 Personen in einem
Zimmer, und die Möglichkeit, sich zurückzuziehen, ist entsprechen
gering. Es gibt kaum die Möglichkeit offen schwul oder lesbisch
zu leben. Es gab fast nie die Möglichkeit für Leute schwul oder
lesbisch zu leben, und daher ist es in den Gemeinschaften, sehr
selten offen gelebt worden.
Besonders unter den Schwarzen existieren Vorurteile. Sie sehen
Partnerschaften nur mit Kindern als sinnvoll an, und so wird Homosexuellen
Partnerschaften kein Raum in der Gemeinschaft gegeben. Sie bleiben
unsichtbar. Die OLGA (Organisation of Lesbian and Gay Activists)
versucht das zu verändern, indem sie diejenigen unterstütz, die
sich zu ihren Coming out in der Lage fühlen. Die Aktivisten versuchen
den Familien zu zeigen, daß keine Probleme damit haben, lesbische
oder schwule zu sein. Wir wollen Homosexualität sichtbar machen.
C.M-S.: Welche Regelung schreibt das Gesetz
fest?
S.L.: Ich muss sagen, dass es ungesetzlich
ist eine homosexuelle Beziehungen zu jemanden unter 19 Jahren zu
haben. Ein anderes Gesetz richtet sich gegen „unsittliches Benehmen“.
Das ist oft von der Polizei in „Strichgegenden“ benutzt, – die
Polizei verkleidet sich sogar - um die Männer zur Übertretung des
Gesetzes zu verführen. Frauen werden erst seit zwei Jahren nach
diesem Gesetz erfasst, nach dem Vorschlag von den Frauen in der
Staatskirche – die Niederländische Reformierte Kirche (Dutch Reformed
Church) - dass das Gesetz erweitert werden sollte. Obwohl die Gesetze
teilweise nicht angewendet werden oder nur zur Verführung der Männer
benutzte werden, verbreiten sie Angst, da die Männer wissen, dass
sie etwas „ungesetzliches“ machen. Viele, viele unserer schwarzen
Mitglieder leben deshalb versteckt.
Ein Bekannter aus einer moslemischen Familie, obwohl er seit 10
Jahren mit seinem Liebhaber lebt, hat nie der Familie sagen können,
wie die Verhälntnisse wirklich sind. Es ist auch sehr schwer. Leute
wie er können nicht offen leben, und das gibt ihnen ein ständiges
Gefühl minderwertig zu sein.
Durch die Armut und Unmöglichkeit ein Privatleben zu führen für
viele Schwarze, besonders gay Männer, hat sich eine Art von Gönnerschaft
entwickelt. Häufig mögen ältere Weiße junge Schwarze, und um sie
zu haben, bezahlen Sie ihnen ihren Lebensunterhalt. Viele junge
Leute werde so „unterhalten“, aber ich glaube nicht dass es so ist
mit Lesben.
Ungefähr vor fünf Jahren kannte ich einige Schwarze, die eine Bewusstseinsgruppe“
gebildet hatten, um den Selbstwert von Jungs, die in Discos gehen
um ältere Weisse Männer auszusuchen, zu stärken. Die machen diesen
Schritt beim vollen Bewusstsein, und einige werden Diener der „älteren
Männern“. Ich würde nie jemanden der das macht verurteilen, besonders
wenn es keinen Zwang oder Druck auf die jungen Leute gibt. Es ist
eine solche Freude und Erleichterung aus dem Gefängnis ihres zu
Hauses zu fliehen, wenn jemand schwul or lesbisch ist. Ich glaube
es gibt den Jungen eine bessere Chance für ihre zukünftige Entwicklung,
obwohl es natürlich von der Gesellschaft verurteilt wird.
C.M-S.: Wann wird Ihre neue Verfassung
mit der Antidiskriminierungsklausel verabschiedet werden ?
S.L.: Ich glaube im nächsten Jahr wird
abgestimmt werden. Der Weg (zur Verfassungsversammlung) wird ein
Parteienwahl werden nicht ein Personenwahl sein. Die Parteien erhalten
entsprechend dem Wahlergebnis Sitze am Verhandlungstisch – darum
zumindest kämpft der ANC. Unsere große Aufgabe ist jetzt, zur Bevölkerung
zu gehen und sie zu mobilisieren, damit wir eine Zwei-Drittel-Mehrheit
in der verfassungsgebenden Versammlung bekommen. Dann können wir
eine Verfassung durchsetzen, die wir wollen. Ich bin sehr hoffnungsvoll.
C. de la Motte-Sherman
Sept 1990.
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