Sheila Lupinski  


Ich bin sehr hoffnungsvoll - interview mit Sheila Lupinski
On the sidelines of the ILGA Conference held in Stockholm (1990).

C.M-S.: Können sie sich bitte für unsere Leser vorstellen?

S.L.: Ich heiße Sheila Lupinski, bin aus Kapstadt, Süd Afrika und bin hier in Stockholm um an der 12. ILGA Konferenz teilzunehmen. Es ist sehr aufregend unter so viele Gay Männer und Lesben zu sein die zusammenarbeiten für die eigene Rechte, aber auch gleichzeitig für das breitere Ziel, die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Es gibt eine schöne Lebhaftigkeit hier. Ich bin auch traurig wenn ich überlege wie isoliert Südafrika ist, aber das ist vermischt mit Dankbarkeit, da ohne diese Isolation wären die Änderungen in Südafrika nicht so schnell gekommen.

C.M-S.: Könnten Sie uns etwas über den Kampf in S. Afrika erzählen ?

S.L.: In Zusammenhang mit dem lesbisch-schwulen Kampf haben wir entschieden nicht auf das jetzige Regime zu zugehen. Wir sind gewiß das in der Zukunft Südafrika sehr wahrscheinlich auf eine Regierung die auf die ANC basiert regiert wird, und wir haben entschlossen mit ihnen zu arbeiten. Deshalb war es uns wichtig zu versichern, daß der ANC lesbisch und gay Rechte unterstützt. Wir haben viel in diese Richtung gearbeitet und mit Erfolg. Es ist z.B. sehr wahrscheinlich, daß die neue Verfassung Süd Afrikas die Diskriminierung homosexueller Männer und Frauen auf Grund ihre sexuelle Orientierung bestrafen wird. Wir sind sehr froh darüber, da unter der National Partei es, natürlich, es nicht ungesetzlich ist.  Wichtig war es für uns zu verstehen, als Lesben und Gays, daß unserer Anstrengungen ein klein Teil des Kampfes für eine freien Süd Afrika sind. Offensichtlich hätten wir überhaupt keine Freiheit falls der Kampf nicht gewonnen wird Deshalb sind wir so aktiv auf verschiedene Weise im politischen Kampf ... Ich bin z.B. in der Ortsleitung der ANC in der Gegend wo ich wohne. Ich mache mehr in diese Hinsicht als für die direkt homosexuellen Kampf.

In beiden Bevölkerungsgruppen (schwarz & weiß) gibt es weit verbreitete Homophobie. Ich glaube nicht, daß es in einer Bevölkerungsgruppe  mehr verbreitet ist als in den anderen.  Leute lernen Vorurteile unter viele Bedingungen.

Ich glaube der neo-faschismus steigt unter die Afrikaans-sprechenden Bevölkerungsgruppe (Weißen). Aber auch viele nicht Afrikaans-sprechende Weise haben sich diesen neuen faschistische Gruppen angeschlossen. Jedoch einige Gruppe sind „puritanisch“ und lehnen englisch-sprechende Mitglieder ab. Das ist eine andere Phobie. Aber ihr Haß ist bis jetzt hauptsächlich nicht gegen Schwule und Lesben gerichtet. Es ist sehr wahrscheinlich, daß wir danach an die Reihe sind – das sind die Zustände unter der Weißen Bevölkerung.

Für die Mehrheit Schwarzen Gemeinde ist es schwierig Schwule und Lesben aufzunehmen. Die Armut unter den Schwarzen, der Mangel an Ausbildungsmöglichkeiten und die daraus folgenden Schwierigkeiten, beruflich voranzukommen, führen dazu, daß fast alle Schwarzen Hilfsarbeiter sind. Speziell wegen der ungelösten sozialen, der Wohnungs- und Einkommensfragen und wegen des fehlenden Zugangs zur medizinischen Betreuung oder Rentenversicherung, stellen Kinder ihren ganzen Reichtum dar. Sie haben so vielen Kinder, damit sie sich im Alter um sie sorgen – und oftmals vorher. Die Kinder sind die Geldverdiener und die Ernäherer. Einige haben sich zur mittleren Schicht aufgearbeitet, aber die schwarzen sind fast alle Teil der Arbeiterklasse.

Durch die große Wohnungsnot leben oft 8 bis  10 Personen in einem Zimmer, und die Möglichkeit, sich zurückzuziehen, ist entsprechen gering. Es gibt kaum die Möglichkeit offen schwul oder lesbisch zu leben. Es gab fast nie die Möglichkeit für Leute schwul oder lesbisch zu leben, und daher ist es in den Gemeinschaften, sehr selten offen gelebt worden. 

Besonders unter den Schwarzen existieren Vorurteile. Sie sehen Partnerschaften nur mit Kindern als sinnvoll an, und so wird Homosexuellen  Partnerschaften kein Raum in der Gemeinschaft gegeben. Sie bleiben unsichtbar. Die OLGA (Organisation of Lesbian and Gay Activists) versucht das zu verändern, indem sie diejenigen unterstütz, die sich zu ihren Coming out in der Lage fühlen. Die Aktivisten versuchen den Familien zu zeigen, daß keine Probleme damit haben, lesbische oder schwule zu sein. Wir wollen  Homosexualität sichtbar machen.

C.M-S.: Welche Regelung schreibt das Gesetz fest?

S.L.: Ich muss sagen, dass es ungesetzlich ist eine homosexuelle Beziehungen zu jemanden unter 19 Jahren zu haben. Ein anderes Gesetz richtet sich gegen „unsittliches Benehmen“. Das ist oft von der Polizei  in „Strichgegenden“ benutzt, – die Polizei verkleidet sich sogar - um die Männer zur Übertretung des Gesetzes zu verführen. Frauen werden erst seit zwei Jahren nach diesem Gesetz erfasst, nach dem Vorschlag von den Frauen in der Staatskirche – die Niederländische Reformierte Kirche (Dutch Reformed Church) - dass das Gesetz erweitert werden sollte. Obwohl die Gesetze teilweise nicht angewendet werden oder nur zur Verführung der Männer benutzte werden, verbreiten sie Angst, da die Männer wissen, dass sie etwas „ungesetzliches“ machen. Viele, viele unserer schwarzen Mitglieder leben deshalb versteckt.

Ein Bekannter aus einer moslemischen Familie, obwohl er seit 10 Jahren mit seinem Liebhaber lebt, hat nie der Familie sagen können, wie die Verhälntnisse wirklich sind. Es ist auch sehr schwer. Leute wie er können nicht offen leben, und das gibt ihnen ein ständiges Gefühl  minderwertig zu sein.

Durch die Armut und Unmöglichkeit ein Privatleben zu führen für viele Schwarze, besonders gay Männer, hat sich eine Art von Gönnerschaft entwickelt. Häufig mögen ältere Weiße junge Schwarze, und um sie zu haben, bezahlen Sie ihnen ihren Lebensunterhalt. Viele junge Leute werde so „unterhalten“, aber ich glaube nicht dass es so ist mit Lesben.

Ungefähr vor fünf Jahren kannte ich einige Schwarze, die eine Bewusstseinsgruppe“ gebildet hatten, um den Selbstwert von Jungs, die in Discos gehen um ältere Weisse Männer auszusuchen, zu stärken. Die machen diesen Schritt beim vollen Bewusstsein, und einige werden Diener der „älteren Männern“. Ich würde nie jemanden der das macht verurteilen, besonders wenn es keinen Zwang oder Druck auf die jungen Leute gibt. Es ist eine solche Freude und Erleichterung aus dem Gefängnis ihres zu Hauses zu fliehen, wenn jemand schwul or lesbisch ist. Ich glaube es gibt den Jungen eine bessere Chance für ihre zukünftige Entwicklung, obwohl es natürlich von der Gesellschaft verurteilt wird.

C.M-S.: Wann wird Ihre neue Verfassung mit der Antidiskriminierungsklausel  verabschiedet werden ?

S.L.: Ich glaube im nächsten Jahr wird abgestimmt werden. Der Weg (zur Verfassungsversammlung) wird ein Parteienwahl werden nicht ein Personenwahl sein. Die Parteien erhalten entsprechend dem Wahlergebnis Sitze am Verhandlungstisch – darum zumindest kämpft der ANC. Unsere große Aufgabe ist jetzt, zur Bevölkerung zu gehen und sie zu mobilisieren, damit wir eine Zwei-Drittel-Mehrheit in der verfassungsgebenden Versammlung bekommen. Dann können wir eine Verfassung durchsetzen, die wir wollen. Ich bin sehr hoffnungsvoll.

C. de la Motte-Sherman
Sept 1990.

 
 
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