W.S. Maugham  


Aus dem Leben von W.S. Maugham
William Somerset Maugham (1874 - 1965)


illiam Somerset Maugham war acht Jahre alt als seine Mutter starb, zu welcher er eine sehr enge Beziehung hatte. Zwei Jahre später starb auch sein Vater, Anwalt an der britischen Botschaft in Paris. William, geboren am 25. Januar 1874 in Paris, konnte sehr wenig Englisch, mußte aber nach dem Tod des Vaters nach England, wo er bei seinem Onkel wohnte. Er besuchte die King’s School in unmittelbarer Nahe von Canterbury Cathedral nicht weit von London. Sein Englisch hatte einen starken französischen Akzent, zudem stotterte er - denkbar schlechte Voraussetzungen für den Besuch einer englischen Internatsschule. Seine dortigen Erlebnisse thematisierte er später in seinem im August 1915 veröffentlichten, stark autobiographischen Werk "Of Human Bondage" (dt. "Der Menschen Hörigkeit")  189l ging er zu Studienzwecken nach Deutschland, und zwar in die damals berühmte Universitätsstadt Heidelberg. Dort begegnete er Ellingham Brooks, einem schwulen Mann, der später  die berühmte lesbische Bildhauerin Romain Brooks heiratete. Ellingham Brooks versuchte mehrfach sich Somerset Maugham zu nähern. Dieser allerdings verstand damals offenbar nicht recht, was Brooks von ihm wollte.

Als Maugham nach neunmonatigem Aufenthalt nach England zurückkehrte, begann er im St. Thomas Hospital in London Medizin zu studieren. Bis dahin hatte Maugham ein geschütztes, privilegiertes Leben geführt. 1895 wurde er Praktikant in Lambeth, einem Gebiet südlich der Themse. Tag und Nacht im Dienst, mußte er zu Häusern und Höfen, wo sich nicht einmal Polizisten allein hinwagten. 'Liza of Lambeth" ist auch der Titel seines 1897 erschienenen Buches, in welchem er ein Tabu antastet -    Ehebruch. Ein Mädchen verliebt sich in einen verheirateten Mann und wird von ihm geschwängert. Sie stirbt während einer Fehlgeburt. Trotz schlechter Kritiken (Ich fühlte mich, als hätte ich ein Bad im Dreck einer ganzen Londoner Straße genommen", schrieb ein Kritiker), wurde das Buch immerhin ein mäßiger Erfolg. Für Maugham Anlaß genug, nicht mehr als Arzt zu arbeiten.

Die letzten Jahre des 19. Jahrhunderts waren unter anderem durch den Prozeß gegen den schwulen Schriftstelle  Oscar Wilde geprägt. Nur ein Jahr nach 'Liza" erschien Wildes 'Ballad of Reading Gaol" - so war der Name des Gefängnisses, in dem Wilde einsaß. Durch die Schilderung der Geschehnisse waren viele Schriftsteller eingeschüchtert. Das war unter anderem ein Grund dafür, daß E.M. Forster seinen 1914 beendeten Roman 'Maurice" erst nach seinem Tode veröffentlicht wissen wollte. 

Maugham hatte in den folgenden zehn Jahren wenig Glück mit seinen Werken. Zu der Zeit, als in Südafrika der Burenkrieg tobte, erschien von ihm der Roman "Der Held". Die Titelfigur bekommt das Victoriakreuz – die höchste britische Auszeichnung für Verdienste im Kriege - für eine zweifelhafte Ruhmestat verliehen, obwohl dabei ein anderer sein Leben lassen müsste. Als er aus dem Krieg heimkehrt konnte der Held nicht zurecht mit der „religiösen und sexuellen Moral eines Landes, das immer noch glaubt, Gott sei ein englischer Gentleman.“ Zwei Jahre später verlegte Maugham seinen Wohnsitz nach Paris, wo ihm das  gesellschaft­liche Klima mehr zusagte. Die gleichzeitige Aufführung von vier seiner Stücke an Londoner Bühn­en im Jahre 1908 verschaffte ihm den unerwarteten Durchbruch und sicherte ihm ein solides finanzielles Fundament.

1914 brach der Erste Weltkrieg aus. Maugham wurde eingezogen und diente als Sanitäter und Fahrer. Ebenfalls 1914 ging er ein Verhältnis mit der verheirateten Syrie Wellcome ein. Sie wurde schwanger und hatte eine Fehlgeburt, wofür Maugham als Schuldige angeklagt wurde.  Ihr Mann ließ sich scheiden. Maugham entdeckt seine "neue Neigung zu Männer“ in der Liebe zu Gerald Haxton, der er im Felde kennengelernt hatte. Haxton Schauspieler von Beruf, galt als zügellos und trank zuviel. Gemeinsam verbrachten sie 'Flitterwochen“in der Südsee. Aus Angst, sie, die von Neigung wüßte könne ihn verraten, heiratete er Syrie nach seiner Rückkehr von dort. Mit 41 Jahren wurde Maugham vom militärischen Geheimdienst seiner königlichen Majestät geworben. Nach Aufenthalten in Genf und New York wurde er 1917 in das russische St. Petersburger  beordert, um der provisorischen Kerenski-Regierung Mut zu machen – mit britischen Geld.

Zurück in London bei seiner Frau der inzwischen geborenen Tochter, benutzte er seine   Aufzeichnung als Stoff für ein neues Buch. „Der Mond und das Sixpence-stück" erschien 1919. Darin schildert er Möchtegern-Maler, der alles hinwirft,  seine Familie verlaßt und sein Gluck auf Tahiti sucht. Auch hier finden deutliche Bezüge zu Maugham eigener Biographie.  Die Verbindung zu Haxton riß nie  ganz ab; in Chicago traf er ihn wieder, und reiste mit ihm durch China und Südostasien. Bei einem Schiffsunglück kamen beide knapp mit dem Leben davon.

Nach der Trennung von seine Frau kaufte Somerset Maugham die Villa "Mauresque" in Südfrankreich um dort in Ruhe und Abgeschiedenheit schreiben und mit Haxton leben zu können. Haxton nämlich, 1915 in einem Prozeß wegen Homosexualität wurde zwar freigesprochen, war dennoch in England zur persona non grata erklärt worden; der Zugang nach England war ihm somit auf Dauer verwehrt. In ihrer Villa wurden beide häufig von Künstlern, Schriftstellern und anderen berühmten Persönlichkeiten ihrer Zeit besucht, darunter der König von Siam, die Königin von Spanien und der König von Schweden.

1939 machte Somerset Maugham seinen Einfluß geltend, um den vor den Nazis gefloh­enen und nun in französischer Haft befindlichen Leon .Feuchtwanger aus dem Gefängnis freizubekommen. Kurz darauf mußte Maugham, von Goebbels persönlich denunziert, selbst auf einem überfüllten Kohlefrachter aus Frankreich fliehen. Haxton blieb zurück, um Kunst­werke vor den Deutschen zu retten. Er starb 1944 an Tuberkulose.

Schon 70jährig reiste Maugham 1944 nach Hollywood, um die Vorbereitungen zur Verfilmung seines Romans Auf Messers Schneide (The Razers Edge) mitzuerleben. Alan Searl, ein wesentlich jüngerer Freund Maughams, den er schon aus den dreißiger Jahren kannte, wurde sein Sekretär und Lebensgefährte. Nach Kriegsende zogen sie zurück in die Villa 'Mauresque". Mit 88 Jahren adoptierte Maugham Seal, um Erbschaffsprobleme zu vermeiden.

Somerset Maugham erwähnte nirgends seine Homosexualität und äußerte sich auch nie öffentlich über die diesbezüglichen scharfen englischen Strafgesetze.  William Somerset Maugham, einer der bedeutendsten „schwulen“ Autoren, wurde durch seine Bücher und deren Verfilmungen weltweit berühmt. Er starb am 16. Dezember 1965 in Nizza.



Colin de la Motte-Sherman

 
 
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